Chapter Text
Seit die Sonne aufgegangen war, war Peter auf den Beinen.
Er wollte möglichst früh schon eine Runde laufen gehen, sonst wären seine Laufschuhe womöglich am zu heißen Asphalt kleben geblieben.
Um das zu vermeiden ist der zweite Detektiv also zeitig aufgebrochen und statt zu schmelzen wie ein Eis, ist er aufgetaut und bei orangefarbenem Himmel in seinem Lieblingspark joggen gewesen.
Jetzt bog er gerade wieder in die Auffahrt seines Elternhauses und zog sich mit einer Hand die Kabelkopfhörer aus den Ohren. Peter blieb vor der Tür stehen und kramte nach seinem Hausschlüssel.
Schnell unter die Dusche springen war seine nächste Mission, nachdem er gerade noch mit Justus und Bob, seinen Kollegen, geschrieben hatte.
Doch heute hatte der zweite Detektiv mal wieder andere Pläne, als sich mit den beiden zu treffen.
Bei diesem Gedanken musste er lächeln.
Er freute sich auf den heutigen Nachmittag. Seit er Jeffrey das letzte Mal gesehen hatte, waren fünf Tage vergangen und beinahe hatte Peter Angst, dass noch ein neuer Fall dazwischenkommen würde.
Ein paar anprobierte T-Shirts später, genauer gesagt waren zwei Stunden vergangen, die Sonne stand mittlerweile hoch am Himmel und Peter hatte noch etwas gegessen…
Genau diese paar Dinge später, ging der zweite Detektiv erneut aus dem Haus, ließ die kühle Wohnungsluft hinter sich.
Er stieg die zwei Stufen, die sich außen am Haus befanden, hinunter und wurde von der heißen Sommerluft empfangen.
Sie legte sich um seine Haut wie ein Pflaster und Peter fühlte sich wie in seiner eigenen warmen Welt.
Kurzerhand stieg er in sein Auto und fuhr aus der Ausfahrt.
Er kurbelte ein Fenster herunter und ließ sich, wie von einem Föhn, die Luft ins Gesicht pusten.
Einen Blick auf die Uhr bestätigte ihm, dass er definitiv rechtzeitig ankommen würde.
Nach nur guten 15 Minuten Autofahrt parkte der zweite Detektiv am Straßenrand, in einer extra dafür angelegten Parklücke. Er stieg aus und die Palmen, hier an der Straßenseite, empfingen ihn.
Erst neulich war er an ihnen vorbeigekommen.
Peter schloss sein Auto ab und stellte sich kurz, mit den Händen in die Seite gestützt, hin.
Er beschloss sich noch etwas kühles zu trinken, im Geschäft gegenüber, zu holen. Danach würde er noch kurz auf Jeffrey warten.
Peter betrat den Laden, welcher angenehm mit Luft durchströmt wurde. Scheinbar funktionierte die Klimaanlage hier perfekt. Zielstrebig ging er zum Getränkefach, öffnete dieses und nahm sich eine gekühlte Cola.
Besagte Cola lag allerdings so weit unten in der Truhe, dass Peter fast mit dem ganzen Oberkörper darin verschwand.
Wenigstens war es für seinen rechten Arm angenehm kühl, denn mit diesem griff er nach der kleinen Plastikflasche.
Vielleicht sollte er einfach so in dieser Position auf Jeffrey warten. Kurz schoss dieser Gedanke durch seinen Kopf, bis ihm einfiel wie unglaublich dämlich diese Szene von hinten aussehen musste.
Also griff er sich nun einfach die Flasche und ging damit schnell zur Kasse.
Hinter dieser stand eine kleinere ältere Frau, die den zweiten Detektiv ruhig anlächelte. Irgendwie kam sie ihm bekannt vor, doch er konnte es nicht richtig zuordnen.
Scheinbar hatte die Frau in genau diesem Moment die selbe Eingebung. Doch sie hatte von den beiden das bessere Gedächtnis.
„Die kleine Ausstellung im Museum war schön“, begann sie mit ruhiger Stimme und blickte Peter an, während sie den Barcode an der Colaflasche scannte.
Peter sammelte sich aus seinem Portmonee schon das nötige Kleingeld zusammen und schwebte kurz in Erinnerungen, als die Frau mit einem Lächeln in der Stimme weitersprach.
„Du bist doch der junge Mann, der dort arbeitet?“, fuhr sie fort, das Schweigen von Peter offenbar falsch gedeutet.
Jetzt antwortete dieser allerdings.
„Ja genau“, sagte er und wippte mit den Füßen auf dem Boden. Kurz stellte er sich vor wie es wäre, wirklich fest dort zu arbeiten.
„Ich war mit ein paar meiner Freundinnen dort“
Die Frau überreichte Peter bei diesem Satz die Flasche und nahm ihm im Gegenzug das Kleingeld ab.
Sie verabschiedeten sich freundlich voneinander und als der zweite Detektiv den Laden verließ, blieb er stehen und öffnete sich sein Erfrischungsgetränk.
Er trank einen großen Schluck und beim Absetzen der Flasche sah er auf der anderen Straßenseite einen bekannten Umriss.
Der Umriss winkte vorsichtig.
Und Peter winkte dem Umriss, namens Jeffrey, zurück.
Auf der anderen Straßenseite reichte Jeffreys Energie gerade noch so für eine kurze Begrüßung. Nicht mal zwei Sekunden später kam dann die überlebenswichtige Frage: „Boah, ich bin so ausgetrocknet, darf ich was von deiner Cola?“
Peter lachte, während Jeffrey wie ein Schluck Wasser in der Kurve, seine Arme nach unten baumelnd, zu dem zweiten Detektiv blickte.
Scheinbar hatte die Sonne auch schon seine Muskeln geschmolzen.
„Klar“, sagte Peter und reichte seinem Gegenüber die kleine Flasche.
Und da wurde sein Herz geschmolzen.
Nicht von der Hitze, wie bei Jeffrey, nein, von der Wärme seines Inneren.
Peter atmete einmal tief durch und blickte in den hellen Himmel, während Jeffrey noch trank.
„Wow wie gnädig der Herr“, kommentierte Peter scherzend, als Jeffrey ihm die Colaflasche zurückgab, in der jetzt nur noch ein mini Schluck schwepperte.
„Fast dehydriert“, sagte Jeffrey außer Atem und richtete dann seine Körperhaltung.
„Du hast mir praktisch das Leben gerettet“ Jeffrey blickte Peter lächelnd und mit kleinen, von der Sonne angestrahlten Augen an.
„Na da bin ich aber froh!“ Peter legte den Kopf schief. „Ich brauch dich nämlich noch“, fügte er so hinzu.
Jeffrey nahm zielstrebig Peters Hand.
„Gut“, sagte er bestimmt. „Ich dich auch! Zum Beispiel dafür, dass du mich jetzt endlich zu diesem neuen Surfshop führst“
„Wird gemacht“
Und mit diesen Worten gingen sie los. Es war zum Glück nicht weit, sonst hatte man beide Jungen nach wenigen Minuten von der Straße kratzen können, wie geschmolzenen Gummi.
„Ich hab irgendwie das Gefühl, dass ich durch dich voll viele neue Geschäfte in Rocky Beach entdecke“
Jeffrey und Peter waren angekommen und standen noch außerhalb des gemütlichen Ladens.
„Ich hab irgendwie das Gefühl… das stimmt“, antwortete Peter mit Blick auf die Ladentür, durch die er dann mit Jeffrey gemeinsam trat.
Auch hier war es angenehmer als draußen, von den Temperaturen her und Peter war dem oder der Erfinder/in von Klimaanlagen noch nie so dankbar.
Auch Jeffrey schien die Klimaanlagen heute noch mal besonders zu schätzen und strich sich ein paar Haarsträhnen auch dem Gesicht.
„Niedlich“, kommentierte er, als er sich gerade einen groben Überblick durch den Laden verschaffte.
„Ja oder“, entgegnete der zweite Detektiv begeistert, bevor er direkt Richtung Kasse steuerte.
Er wollte sich gern erneut mit dem netten Mann unterhalten und ihm bei dieser Gelegenheit auch mit Jeffrey bekanntmachen.
Vielleicht würden sie dem Verkäufer auch irgendwann mal am Strand begegnen.
Peter kam an und direkt legte sich ein Lächeln auf seine Lippen. Er begrüßte den Mann freundlich und auch dieser kam Peter mit guter Laune entgegen.
Er erkannte den zweiten Detektiv natürlich noch und so setzten sie ihr Gespräch vom letztem Mal fort.
Währenddessen sah Jeffrey sich im Laden um. Auch er war nicht weniger angetan von der Atmosphäre hier, wie Peter.
Hier konnte man definitiv alles kaufen, was man den Sommer über eventuell benötigen würde. Gerade als er sich überlegte, was er heute mitnehmen würde, fiel sein Blick auch etwas, einen kleinen Gegenstand, der ihn zum schmunzeln brachte.
Er nahm das kleine Ansteck-Surfbrett und schlenderte damit langsam zur Kasse. Er stieß zu Peter und dem Verkäufter, kaufte seinen Pin und bemerkte, wie Peter ihn die ganze Zeit über beobachtete und sich gleichzeitig mit dem Mann hinter der Theke unterhielt.
Jeffrey grinste in sich hinein. Ihm ging es irgendwie so gut.
Er freute sich, dass er während seines Praktikums und vor allem in einem Museum, Peter kennengelernt hatte.
Ihn angesprochen hatte.
Tja, in Museen lernt man so viel mehr, als man denkt.
Wieder draußen, in der hitzigen Luft, liefen die beiden Jungen noch ein Stück durch die Straßen. Sie kauften sich, diesmal auch Jeffrey, ein kaltes Getränk und verbrachten den Rest des Nachmittags zusammen.
Ein paar Stunden später kamen sie an Peters Auto an. Peter hatte angeboten Jeffrey zu fahren, doch dieser wollte den Bus nehmen.
Er war noch zum Abendessen mit seiner Familie verabredet.
Gebeichtet hatte er Peter, dass er nicht wirklich Lust darauf hatte und viel lieber mit dem zweiten Detektiv Zeit verbringen und diese dabei ignorieren wollte, aber es ging nunmal nicht anders.
Die Verpflichtungen riefen.
Peter und Jeffrey umarmten sich gerade zum Abschied, als Peters Handy klingelte und sie sich deswegen voneinander lösen mussten.
Der zweite Detektiv blickte auf sein Handy: Justus.
Sieh an,
Auch für ihn riefen die Verpflichtungen wieder.
Der nächste Fall würde bestimmt nicht lange auf sich warten lassen.
Peter grinste.
Es war schön gewesen, für eine Weile, in eine etwas andere Welt eintauchen zu können.
Er grinste erneut als er dachte, dass er aber aus dieser Welt zum Glück etwas mitnehmen durfte.
Jeffrey war nach ihrer Verabschiedung Richtung Bushaltestelle losgelaufen, doch jetzt blickte ihm Peter noch einmal nach.
Konnte noch den kleinen Surfbrett-Pin erkennen, den sie nun beide an ihren Rucksäcken trugen.
Tja, in Museen lernt man so viel mehr, als nur alte Erfinder kennen.
