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Bestimmung

Summary:

Die Geschichte einer jungen Dalish, welche eigentlich davon überzeugt war, ihre Zukunft läge darin, ihrem Clan zu dienen. Aber das Schicksal hatte etwas anderes für sie vorgesehen.

Notes:

Mein erster Versuch, eine DA Story aufzuschreiben, welche mir schon so lange im Kopf rumspukt. Ausgelöst durch das wunderschöne Bild eines Dalish auf DeviantArt von Ourak Nysot. Lange her. Ourak Nysot ist nicht länger auf DA zu finden, das Bild ist weg, aber trotzdem versuche ich mich mal an der Geschichte.
Kritik und Anregungen sind natürlich sehr willkommen. Seid nachsichtig ... wie erwähnt, mein erster Versuch. ;)

Chapter Text

Der Boden unter ihrem Rücken fühlte sich warm und weich an. Gebettet auf Moos und Blättern lag sie nun schon viel zu lange unter dem riesigen Baum und versuchte sich zu entspannen und auf die vor ihr liegende Aufgabe zu konzentrieren, alles andere auszublenden. Die Luft war süßlich, roch nach Holz und den Blumen, die neben ihr an dem kleinen Bach wuchsen. Vandis lauschte dem Wasser und dem Rauschen der Blätter über sich, die sich sanft in einer leichten Brise hin und her bewegten. Die Sonne schien durch das Blätterdach über ihr und durch die geschlossenen Lider ihrer Augen erzeugte es einen wirren Tanz aus Licht und Schatten, hektisch und doch beruhigend vertraut. Oft hatte sie sich schon hierher zurückgezogen und einfach stundenlang im Schatten gelegen und hatte ihren Gedanken und Gefühlen freien Lauf gelassen. Es war ein Ort der Stille, der Natur. Er spendete Trost und neue Zuversicht. Sie liebte den Wald, war hier aufgewachsen und würde niemals fortgehen. Ihr Clan zog weiter, an andere bekannte Orte. Aber jedes Jahr im Frühling kehrten sie hierher zurück. Fernab von anderen Clans oder Menschenstädten, lebten sie friedlich und im Einklang mit der Natur. Im Gegensatz zu anderen Dalish-Clans, die ständig umherzogen und Handel mit Menschen und Zwergen betrieb, sorgte ihr Clan weitestgehend für sich selbst. Sie lebten davon, was der Wald und die umliegenden Hügel ihnen gaben. Ein Leben, ermöglicht durch Erfahrung und ständigem Lernen. Sie folgten dem Weg Andruils und was sie der Natur durch das Jagen nahmen, gaben sie ihr auf andere Weise zurück.

Vandis zog die Augenbrauen zusammen und verzog den Mund. Jagen! Das unerwünschte Gefühl der Verzweiflung befiel sie erneut. Sie lag flach auf dem Boden, ihre langen, schwarzen Haare lagen in dem Gewirr aus Blättern und Zweigen unter ihr. Aus dem Gesicht gebändigt durch zwei dicke, geflochtene Zöpfe, die sich am Hinterkopf mit dem Rest ihrer Locken vereinten. Jagen! Sie legte die Hände vor ihr Gesicht und atmete ein paar Mal tief ein.
„Ich muss gehen!“, sagte sie zu sich selbst und erhob sich langsam von ihrem Lager. Missmutig stand sie auf und versuchte so gut es ging ihre Kleidung zu ordnen. Sie betrachtete die Sonne über ihr und überlegte, ob sie nicht ohnehin schon zu spät war. Ob sie, wie so oft, viel zu viel Zeit hier vertrödelte. Eine grobe Schätzung von ihr ergab, dass sie vermutlich zwei bis drei Stunden fort gewesen war. Ob man sie bereits vermisste? Vermutlich nicht. Alle waren viel zu beschäftigt. Es war Arlathvhen. Die Zusammenkunft der Clans. Ein Treffen um Erfahrungen und Geschichten auszutauschen. Um neue Vereinbarungen auszumachen, Verbindungen einzugehen, oder neue Wege zu finden. Zumeist eine große, fröhliche Gesellschaft. Es wurde dafür gesorgt, dass es ein besonderes, gemeinsames Mahl gibt. Jeder trug seine beste Kleidung, in der Regel förmlich – so förmlich wie es bei einem Clan sein kann, dessen Handwerk die Arbeit mit Leder und Fellen war. Vandis schaute an sich herunter und strich über ihre Weste, traditionell aus dunkelbraunem Leder mit dezenten Verzierungen, die sich kreuzförmig, hellbraun über ihre Brust und an den Seiten entlangzogen. Das sollte genügen, befand sie.

Ein Arlathvhen war ein besonderes Ereignis. Ein seltenes Treffen, welches nur alle paar Jahre stattfand. Sie konnte sich noch an die letzte Begegnung erinnern. Als Heranwachsende war es jedes Mal ein Fest gewesen. Staunend durften sie und die anderen Kinder neuen Geschichten lauschen, von Gegenden, in denen sie noch nie gewesen waren. Geschichten über Drachen und seltsame Wesen, beängstigend und doch spannend und aufregend. Mit fortgeschrittenem Alter wurde das Arlathvhen mehr und mehr geprägt durch gegenseitiges Abschätzen. Es gab zwar immer noch Erzählungen, Spiele, Handel mit neuen Waren fremder Herkunft, jedoch begannen die Ältesten der Clans zunehmend die Jünglinge zu begutachten. Es war zu einer Art Prüfung geworden, eine Musterung der Fähigkeiten. Nicht selten geschah es, dass Heiler oder Jäger den Clan wechselten, wenn ein anderer Bedarf hatte. Es war ebenfalls ein Geben und Nehmen, das normalerweise freiwillig geschah… meistens. Nun war Vandis ebenfalls in dem Alter, in dem sie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen sollte. Sie war 17 Jahre alt und stand kurz vor der letzten Prüfung, um den Schwelle zum Erwachsensein zu überschreiten. Noch hatte sie nicht die Vallaslin, die Zeichnungen, welche alle vollwertigen Mitglieder ihres Clans stolz im Gesicht trugen. Heute würde sie den ersten Schritt machen müssen und sich mit den gleichaltrigen des anderen Clans messen. Ein vermeintlich einfacher Test im Bogenschießen würde der morgigen Jagd vorausgehen.
Vandis stöhnte leise auf, als sie daran dachte. Sie musste sich auf den Weg machen, sonst würde sie wirklich zu spät kommen. Ihr Fuß trat heftig durch den Berg Blätter auf dem Boden und während sie raschelnd zu Boden sanken, machte sich die Elfin mit schweren Schritten auf den Weg zu ihrem Clan.

Sie konnte die Stimmen schon von weitem hören. Gelächter, Gemurmel und das fröhliche Kreischen der Kinder, die sich gegenseitig erschreckten und jagten, meist in Verkleidung der abenteuerlichsten Kreaturen. Bewaffnet mit seltsam aussehenden Knochen oder mit Fellen behangen, rannten sie um die Feuer und versuchten sich gegenseitig mit den Darstellungen zu übertreffen. Vandis musste grinsen bei der Erinnerung daran, als sie ein Teil dieses Schauspiels war. Sie schlenderte durch die Gruppen von Elfen, die beieinander saßen und Vorbereitungen für den Abend trafen. Als sie ihren Wagen erreichte und hineintrat, war sie überrascht ihren Vater vorzufinden. Er schien auf sie gewartet zu haben. Die junge Frau senkte den Blick, schloss kurz die Augen und nickte ihm leicht zu.

„Du kommst spät.“, war seine einzige Bemerkung. Cagan stand am Fenster, hatte sich aber ihr zugewandt. Er war groß und durch sein Alter, seine Erfahrung strahlte er Ruhe und Gelassenheit aus. Als einer der wichtigsten Lehrer in ihrem Clan genoss er hohes Ansehen und war neben dem Clan-Anführer ein Grundpfeiler der Gemeinschaft. Heute wirkte er jedoch ein wenig nervös, auch wenn er äußerlich ruhig dastand. Die vielen Leute und das manchmal vielleicht doch nicht so gelassene Treffen der Clans beschäftigte ihn offenbar mehr, als er zugeben wollte. Dass er hier im Wagen auf sie wartete und lieber die Dunkelheit und Stille vorzog, als mit den anderen draußen Geschichten auszutauschen, bewies nur noch mehr, dass er sich sorgte.
„Aber ich bin nicht zu spät.“, stellte Vandis fest. „Bitte entschuldige, falls du dir Sorgen gemacht hast.“ Sie hielt seinem Blick stand, während ihr Vater sie musterte.

Er trat auf sie zu und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Mit der anderen strich er ihr eine vorwitzige Haarsträhne aus dem Gesicht und entfernte ein paar Blätter aus ihren Haaren.
Cagan seufzte und gab den Versuch auf, sie herzurichten.

„Ich denke sie machen sich schon bereit. Du weißt was du zu tun hast. Bleib ruhig und konzentriert, dann wirst du dein Ziel erreichen.“

„Ja, Vater.“ Vandis beobachtete den Ältesten, wie er sich umdrehte, nach einem Köcher Pfeile und einem grossen Langbogen griff. Sie nahm die Sachen entgegen und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie unsicher sie war. Um sich selbst zu beruhigen, sagte sie sich immer wieder, dass sie mit Pfeil und Bogen umgehen konnte. Sie hatte sich vorbereitet, lange genug geübt. Wieso zweifelte sie daran, mit den anderen mithalten zu können? Selbst wenn sie nicht so gut war, wie manch andere Jäger im Clan, sollte sie doch in der Lage sein, ein einfaches Ziel zu treffen. Es half nichts darüber nachzudenken, befand sie und atmete tief durch. Sie folgte ihr Leben lang den Wegen des Jägers und Andruil wird mich leiten, sagte Vandis sich. Andruil wird befinden, ob ich würdig bin. Ich muss nur versuchen die anderen Augen auszublenden und mich zu konzentrieren, ermahnte sie sich selbst. Das hatte sie sich schon so oft gesagt. Nun hoffte sie, dass sie sich im entscheidenden Moment auch daran halten konnte.

„Tel'enfenim, ich weiss du wirst es schaffen.“ Ihr Vater küsste ihre Stirn, bevor er den Wagen verließ.

Vandis versuchte nicht noch mehr Zeit zu vergeuden und legte sich den Köcher um die Schulter. Mit dem Bogen in der Hand, trat sie aus dem Wagen und eilte zum Übungsplatz.

Es gab nicht so viele Schaulustige, wie sie befürchtet hatte. Viele Frauen waren im Lager geblieben um das Essen vorzubereiten. Einige der Männer waren wohl so mit ihren Geschichten beschäftigt, dass sie auf ein paar bogenschiessende Heranwachsende verzichten konnten. Jedoch waren die strengen Blicke der Ältesten geblieben. Sie beobachteten die angehenden Beschützer ihrer Clans genau, berieten sich insgeheim über ihren Nutzen und ihre Fähigkeiten. Dies war zwar nur ein kleiner Wettstreit, eine kleine und einfache Prüfung, jedoch würden weitere folgen. Der Ausgang des heutigen Tests konnte vielleicht schon etwas darüber aussagen, welche Rolle der Schütze später im Clan einnehmen würde.

Vandis blieb ein wenig abseits stehen und beobachtete das Treiben. Einige Schützen hatte ihr Können bereits gezeigt und unterhielten sich nun lautstark über ihre Ergebnisse. Sie ging weiter, in angemessenem, aber nicht übertriebenem Abstand um den Übungsplatz herum. Die Sonne stand noch nicht tief hinter den Bäumen und tauchte alles in ein warmes Licht. In der Luft tanzten Pollen und ließen sich träge von der kaum wahrnehmbaren Brise hin und her treiben. Bienen und andere Insekten gingen emsig ihrer Arbeit nach und huschten eilig umher. Sogar ein paar Hallas, die sonst solchem Trubel fern blieben, hatten sich etwas abseits versammelt und ließen sich von einigen Kindern bestaunen und streicheln. Eigentlich war die Atmosphäre entspannt und friedlich, nichts weswegen man aufgeregt sein müsste, dachte Vandis und ein klein wenig Anspannung fiel von ihr ab. Es zeigte sich sogar der Anflug eines Lächelns auf ihrem Gesicht, während sie langsam weiter schlenderte. Abgelenkt von dem friedlichen Treiben, bemerkte sie fast zu spät, dass sie bereits bis zu der Gruppe Clanoberhäupter gewandert war. Hastig drehte sie sich zur Seite und versuchte die Richtung zu ändern, ohne bemerkt zu werden. Sie hatte gehofft, ihren Schuss möglichst heimlich, vor nicht allzu vielen Augen abzuliefern.

„Vandis!“, hörte sie die Stimme ihres Vaters. Das Unterfangen den Blicken der Ältesten zu entgehen, war offensichtlich gescheitert. Vandis schluckte und verzog noch einmal kurz das Gesicht, bevor sie sich zu ihnen umdrehte. Neugierig wurde die junge Elfin von allen betrachtet. Zuerst ein wenig überrascht, bedachte ihr Vater sie mit einem Blick voller Stolz und Zuversicht.

Er wundert sich, dass ich so offen vor sie trete. Denkt, ich habe meinen Mut gefunden, dachte sie bedrückt und fühlte die Anspannung und Unsicherheit zurückkehren, welche sie für einen Moment verloren hatte. Respektvoll nickte sie den Anführern zu.

„Andaran atish’an, Vandis.“, grüßte Feyros, den sie vom letzten Treffen wiedererkannte. Ein grauhaariger, schlanker Elf, der den Kindern beim letzten Mal noch Geschichten von fürchterlichen Kreaturen und seltsamen Geschöpfen, die irgendwo im Untergrund lebten, erzählt hatte. Er sah sie freundlich an. „Wie ich sehe, bist auch du schon bereit die Prüfungen abzulegen. Wirst du uns heute zeigen, was du bereits gelernt hast?“

„Ja, ich bin bereit.“ Ihr fiel nichts ein, was sie hätte sagen sollen. Die Lüge kam ihr überraschend leicht über die Lippen, sie fühlte sich im Moment so wenig bereit wie jemals zuvor. Sei schnell und leise, schlag ohne Zögern zu, lass die Beute nicht leiden. Eilig wiederholte sie in Gedanken Andruils Worte. Das Vir Assan, nachdem alle jungen Jäger angeleitet werden. Sie versuchte das harte Klopfen ihres Herzens zu ignorieren und begab sich zu der markierten Position, von der aus sie schießen sollte.

Die Aufgabe war nicht allzu schwierig. Sie hatte schon weiter entfernte Sachen getroffen, befand Vandis. Ein Holzschild war unter den Bäumen im Schatten an einem Stamm festgebunden worden und sollte als Ziel dienen. Den Bogen immer noch in der einen Hand, zog sie mit der anderen einen Pfeil aus dem Köcher. Langsam und bedächtig legte sie ihn auf die Sehne, spannte sie und visierte mit einer fließenden Bewegung das Holzschild an. Sie wurde eins mit dem Bogen, der Pfeil folgte ihrem Willen. Sie holte tief Luft, verengte die Augen ein wenig und stiess den Atem langsam wieder aus. Alles wurde ausgeblendet, die Ältesten, das Gelächter der Kinder, das Gemurmel der anderen Teilnehmer. Immer tiefer ging sie in sich selbst, wurde zu einer Einheit mit ihrer Waffe, spürte nichts mehr als das Holz in ihrer einen Hand und die harte Sehne mit dem Pfeil in der anderen. Dann begann das leichte Kribbeln unter ihrer Haut Erst kaum spürbar, doch es breitete sich immer schneller aus. Sie spürte es durch ihre Adern rinnen, ihren Rücken hinaufkriechen, in ihren Armen, bis in die Fingerspitzen. Eine Energie, die nur darauf wartete, dass Vandis nach ihr griff. Energie, die benutzt werden wollte.

„Nein!“, stieß sie leise hervor und ließ im selben Moment den Pfeil los. Ihre Augen weiteten sich, als sie dem Geschoss hinterher sah, die wackelige Flugbahn verfolgte. Es war zu spät. Sekunden später bohrte sich der Pfeil in einen Baumstamm nicht weit vom eigentlichen Ziel entfernt. Vandis hatte die Luft angehalten, starrte ungläubig auf den Pfeil, dann auf den Bogen.

Nicht getroffen! Sie konnte es nicht ganz begreifen. Erst langsam dämmerte ihr, was das bedeutete. Das war meine Chance…. Es war doch so einfach, alles hätte etwas entspannter sein können. Jetzt werde ich morgen auf die Jagd gehen und allen beweisen müssen, dass ich doch eine gute Schützin bin. Und sie werden mich noch eingehender beobachten. Die Gedanken flogen durch ihren Kopf und sie blickte stumm zu ihrem Vater. Cagan schaute seine Tochter nachdenklich an, während die anderen sich weiter unterhielten. Hatten sie so schnell das Interesse verloren? Sie prüften vermutlich, ob Vandis überhaupt für den Schutz des Clans sorgen konnte. Ihr wurde kalt. Sie spürte förmlich, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich. Vor allen Dingen, musste sie jetzt dafür sorgen, dass so etwas nicht wieder geschah.

„Reiß dich zusammen!“, zischte sie sich selbst leise zu. Hastig holte sie einen neuen Pfeil und legte ihn auf. Diesmal zögerte sie nicht so lange, gab keiner Ablenkung eine Chance. Nur kurz konzentrierte sie sich, spannte den Bogen erneut und schoss. Diesmal traf sie den Schild problemlos. Erleichtert atmete Vandis auf. Sie warf ihren Bogen über die Schulter und setzte sich in Bewegung, um ihre Pfeile wieder einzusammeln.

Am Rand der Lichtung, kurz bevor der Wald wieder alles Licht verschluckte, stand eine Gruppe junger Männer, die sich scheinbar prächtig amüsierten. Vandis, die mit schnellen Schritten auf den Holzschild zueilte, beachtete sie nicht weiter, warf nur einen kurzen Blick auf sie. Es waren Mitglieder des anderen Clans. Sie standen nur wenige Meter entfernt und unterhielten sich angeregt. Sie waren anders gekleidet als die Leute ihres Clans, trugen Hemden und Tuniken aus feinem Stoff und in ungewöhnlichen Farben. Zwei von ihnen hatten einen gewaltigen Bogen auf dem Rücken, ein anderer hatte sich mit zwei schlanken Schwertern ausgestattet. Der Vierte stützte sich auf einen Stab. Alle waren nicht sehr viel älter als Vandis, trugen jedoch das Vallaslin auf ihrer Haut. Mit festen Schritten ging die junge Elfin weiter. Sie hörte das leise Lachen, ein amüsiertes Schnauben, Gemurmel, als sie an ihnen vorbei stampfte.

„Sie hätte fast das arme Eichhörnchen getroffen.“

„Vielleicht sollten sie die Ziele größer machen?“

„Wenn sie nicht zur Jägerin taugt, wird sich schon eine andere Beschäftigung für sie finden.“

„Mir würden ein bis zwei Sachen einfallen, die sie für mich erledigen könnte.“

Wieder Gelächter. Vandis biss die Kiefer fest aufeinander und griff nach dem Pfeil im Holzschild. Mit einem Ruck riss sie ihn heraus und verstaute ihn ordnungsgemäß. „Ignoriere sie.“, sagte sie sich und ging ein Stück weiter, um nach dem zweiten Geschoss zu suchen.

„Er liegt da vorne, du musst dich schon bücken um ihn aufzuheben.“ Wieder Gelächter.

Es war nicht zu vermeiden, dass Wut in ihr hochstieg. Sie spürte wie das Blut in ihre Wangen schoss. Die Hände zu Fäusten geballt, schnellte sie herum und wäre fast mit einem großen Elf zusammengestoßen. Auch er schien zu der Gruppe junger Männer zu gehören, die sich gerade über sie lustig gemacht hatten. Er überragte sie um gut einen Kopf und funkelte sie aus grünen Augen an. Vandis trat einen Schritt zurück und wollte einen Bogen um ihn machen.

„Suchst du den hier, kleine Jägerin?“ Er hielt ihr den gesuchten Pfeil vor die Nase.

Sie wollte danach greifen, doch er zog im letzten Moment seine Hand hoch. Wieder Gelächter.

„Sei das nächste Mal vorsichtiger, du hättest mich fast erschossen.“ Er reichte ihr das Ende mit den Federn. Sein Mund verzog sich zu einem schiefen Grinsen.

„Vielleicht hätte ich besser getroffen?“, fuhr Vandis ihn an und riss ihm den Pfeil aus der Hand. Sie warf ihm noch einen grimmigen Blick zu und stapfte wenig damenhaft davon.