Work Text:
Es war ein normaler Tag im Präsidium. Draußen regnete es, tat es schon seit Tagen. Adam saß an seinem Schreibtisch, arbeitete sich durch ein paar Berichte und nahm immer mal wieder einen Schluck aus seiner Kaffeetasse. Auch Leo saß an seinem Schreibtisch, anstatt zu arbeiten döste er jedoch vor sich hin. Adam ließ ihn, obwohl er ab und zu doch mal ein paar Fragen zu älteren Fällen hätte. Aber Leo hatte sich die Ruhe verdient, die letzten Wochen waren doch eher stressig gewesen. Außerdem sah Leo süß aus wenn er schlief, Mund leicht geöffnet und Adam konnte das leise Ausatmen seines Partners hören. Nicht dass Adam Leo beim Schlafen beobachten würde, dass war ihm rein zufällig aufgefallen.
Adam wendete sich wieder seinen Berichten zu. Spaß machte ihm das nicht, aber je eher dabei, je eher davon. Lange konnte Adam jedoch nicht arbeiten, denn schon kurze Zeit später riss Pia die Tür auf. Leo schreckte von seinem kleinen Schläfchen auf. Ein leicht säuerlicher Blick bildete sich auf seinem Gesicht. Wahrscheinlich überlegte er sich gerade, ob es sich lohnte, Pia mal wieder ans Anklopfen zu erinnern. Vermutlich nicht, hält sich ja eh niemand dran.
Pia hatte ihr typisches Grinsen aufgelegt und Adam zog seine Augenbrauen hoch. Ein neuer Mordfall konnte das wohl kaum sein, sonst würde Pia sich nicht so freuen. Dachte Adam zumindest, bei seinen Kollegen wusste man ja nie. ,,Esther hat mir von einem tollen Inder erzählt, der sein Restaurant hier in der Nähe hat. Da dachte ich, wir könnten doch mal wieder heute Abend zusammen Essen gehen. Hat ja das letzte Mal nicht so gut geklappt”, schlug sie und Adam konnte sich gerade noch den Kommentar verkneifen, dass Esther auch nette Restaurants kennt und nicht nur Folterkeller.
Pia schaute gespannt zu Leo, dann zu Adam. Sie schien an einen Teamgeist zu glauben. Gut, Adam muss zugeben, dass sich die Teamdynamik in den letzten Wochen tatsächlich ein bisschen gebessert hat. Es war noch nicht perfekt, bei weitem nicht, aber Adam hatte festgestellt, dass er sich nicht mehr so oft mit Esther anzickte. Theoretisch würde Adam also ja sagen, dennoch wartete er erstmal die Antwort von Leo ab.
Dieser sah entschuldigend zu Pia, sagte dann: ,,Hab heute leider keine Zeit, sorry.” Pia zuckte mit den Schultern, da kann man nichts machen. Dann drehte sie sich zu Adam um. ,,Du?” Doch Adam konnte erstmal nicht antworten. Warum konnte Leo heute Abend nicht? Gegenüber Adam hatte er gar nichts erwähnt. Anstatt Pia also zu antworten, drehte er sich zu Leo, sah ihn fragend an. ,,Warum kannst du nicht?”
Leo seufzte, antwortete schließlich: ,,Ich muss Alex helfen.” Sofort stieg Wut in Adam auf. Wer war denn dieser Alex und warum hatte Leo nie von ihm erzählt. Unwillkürlich ballten sich seine Hände zu Fäusten. Und warum zur Hölle fühlte er sich aufeinmal so verdammt eifersüchtig? Am liebsten würde Adam jetzt irgendwas schlagen, oder besser gesagt irgendjemanden. Die anderen Beiden schienen seine plötzliche Wut nicht wahrzunehmen. Oder es interessierte sie nicht. Ja, das war es bestimmt. Leo interessierte sich nicht für Adams Gefühle. Dabei hatte Adam sich doch so sehr Mühe mit seinen Annäherungsversuchen gegenüber Leo gegeben. So ein Dreck.
Pia fuchtelte mit ihren Armen umher. ,,Hallo, Erde an Schürk. Ja oder nein?” Durch zusammengebissene Zähne sagte Adam: ,,Nein.” Pia zuckte wieder mit den Schultern und drehte sich um. ,,Dann geh ich eben nur mit Esther, wir werden bestimmt auch viel Spaß haben.” Damit verschwand sie aus dem Büro und bevor sich die Türe schloss, konnte Adam Esthers verschmitztes Lächeln sehen. Klar, dass gefiel der Baumann. Dann fiel die Tür ins Schloss und Adam musste sich nicht mehr mit ihr befassen.
Leo hatte sich inzwischen dem Stapel Akten zugewendet, der sich schon seit Tagen auf seinem Schreibtisch sammelte. Er sah müde aus, sehr sogar. Leo sollte im Bett liegen und heute Abend nicht bei irgendeinem Alex rumturnen. Adam fühlte, wie sich langsam Kopfschmerzen bei ihm bildeten. So eine Scheiße aber auch. Er wollte aufhören an Leo zu denken, vor allem an die Nacht, die Leo vor sich hatte. Aufhören an Alex zu denken, der heute Abend das tat, wonach sich Adam schon viel zu lange sehnte.
Später, es war schon lange Abend, eigentlich schon Nacht, lag Adam noch wach im Bett. Irgendwie kratzte ihn die Bettdecke und eine angenehme Schlafposition konnte er auch nicht finden. Außerdem bekam er den Kopf nicht leer und seine Gedanken schweiften immer wieder zu Leo. Was machte dieser wohl gerade. Ein kurzer Blick zum Wecker verriet Adam, dass es viertel nach eins war. Leo würde doch vermutlich jetzt schon schlafen, oder? Außer er machte mit Alex die ganze Nacht durch. Allein bei dem Gedanken an diesen Unbekannten, verzogen sich Adams Gesichtszüge. Wer war dieser Arsch und wo hatte Leo ihn kennengelernt?
Abrupt setzte sich Adam auf. Er brauchte jetzt dringend eine Zigarette. Zum Glück besaß er einen kleinen Balkon und als Adam die Tür aufschub, weht ihm eine kühle Brise entgegen. Mit einem Schnaufen ließ er sich auf einen Klappstuhl fallen und zündete sich eine Zigarette an. Rauchen war nicht, das wusste Adam natürlich, aber manchmal brauchte er einfach das vertraute Gefühl von einer Zigarette im Mund. Außerdem half es ihm dabei, seine Gedanken wieder zu ordnen, wenn sie mal wieder so ausbrechen wie heute.
Warum musste Adam überhaupt Gefühle für Leo entwickeln. Wobei die Antwort ja eigentlich klar auf der Hand lag. Es gab nie eine andere Option als Leo, nie irgendjemand, der so in Adams Zentrum stand wie Leo. Wenn Leo doch wenigstens auf Adams Flirtversuche eingehen würde. Aber Adam hegte den Verdacht, dass Leo Adams Anspielungen nicht immer ganz verstand. Stattdessen ging er lieber zu Alex.
Adam biss sich auf die Lippe. Er musste jetzt ganz dringend aufhören, an diesen Arsch zu denken. Am Ende des Tages brachte es ja eh nichts, Leo schien kein Interesse an Adam zu haben und Adam empfand es selber ein bisschen als armselig, dass er trotzdem noch Hoffnung hatte. Hoffnung, dass Leo doch auf ihn stehen könnte und bisher einfach nur zu engstirnig war, Adam irgendwelche Zeichen zu geben.
Das mit dem Kopf frei bekommen lief ja nicht sonderlich gut, musste Adam zerknirscht feststellen. Dennoch zwang er sich, nicht noch eine Zigarette anzuzünden und sich wieder ins Bett zu legen. Morgen musste er früh raus und seine Augenringe sollten nicht noch größer werden als sie eh schon waren.
Dieser Plan ging nicht auf. Adam fühlte sich ausgelaugt als er am nächsten Tag ins Präsidium fuhr. Er war noch viel zu lange wach geblieben, hatte sich noch viel zu oft hin und her gewälzt.
Im Büro wartete bereits Esther, Nase tief in einer Akte gesteckt und an einem Croissant nagend. Leo war noch nicht anwesend und Adam verzog sein Gesicht. Jetzt konnte er sich erstmal eine halbe Stunde mit Esther anschweigen. Diese hatte jedoch andere Ideen. Esther zeigte auf einen Stapel Papiere. ,,Kennzeichenkontrolle. Haben die Kollegen rüber geschickt, die versinken gerade in Arbeit.” Adam verdrehte seine Augen. Das war ja total öde, aber anstatt er sich mit Esther anlegte, griff Adam nach den Papieren. Leo wollte ein gestärktes Team, also musste er seine Sticheleien ein bisschen zurückschrauben.
Adam wollte sich gerade auf zu seinem Schreibtisch machen, da ging die Tür auf und Leo schlurfte hinein. Er sah genauso miserabel aus wie Adam sich fühlte. Esther grinste, nahm einen Schluck von ihrem Kaffee. ,,Na, Spaß gehabt mit Alex?”, fragte sie süffisant grinsend und Adam hatte den starken Drang, ihre Fresse zu stopfen. Leo schnaubte bloß und sagte: ,,Mein ganzer Rücken tut weh.”
Adams Augen verengten sich bei Leos Worten zu Schlitzen, denn sofort machten sich Bilder in seinem Kopf breit, die er lieber nicht sehen wollte. Wieso grinste denn die Baumann auch noch so belustigt, ganz als hätte sie Spaß an der Sache. Hatte sie wahrscheinlich auch. ,,Wir waren bis Mitternacht beschäftigt”, erzählte Leo weiter und Adam biss sich auf seine Zunge. Er wollte nicht hören, wie lange Leo gestern mit diesem Alex gevögelt hatte. Warum erzählte Leo überhaupt sowas, wollte er Adam quälen? Das konnte er sich definitiv nicht mehr antun.
,,Ich brauch einen Kaffee”, sagte Adam steif und floh in die kleine Kaffeeküche. Dort schlug er regelrecht die Tasten an der Kaffeemaschine kaputt, weil das blöde Ding mal wieder nicht so tat wie er wollte. Dann hörte Adam Schritte hinter sich und kurz darauf trat Leo in den Raum. ,,Was ist denn los, Adam?”, fragte dieser und hatte dabei die Dreistigkeit besorgt zu klingen. ,,Es ist alles in Ordnung”, zischte Adam leise. Es war alles in Ordnung, sollte Leo doch machen was er wollte. Überzeugend klang er nicht, das merkte auch Leo.
,,Adam, verdammt! Sei doch nicht immer so verschlossen”, sagte Leo etwas lauter und Adam musste auflachen. Energisch drehte er sich zu Leo um, blickte ihm direkt in die Augen. Adam war jedoch viel zu entrüstet, Leos schönes Gesicht zu bewundern. ,,Verschlossen? Du bist doch derjenige, der mir nicht erzählt hat, dass er einen geheimen Freund hat”, entgegnete Adam patzig und sofort schossen Leos Augenbrauen in die Höhe. ,,Geheimen Freund?”
,,Ja, Alex.” Adam stellte die nun gefüllte Kaffeetasse mit viel zu viel Kraft auf einen nebenstehenden Tisch. Der Kaffee schwappte über, aber das interessierte Adam in diesem Moment nicht im geringsten. Er war sauer, Leo war doch sein Freund. Freunde hatten keine Geheimnisse voreinander.
Leo brach jedoch plötzlich in schallendes Gelächter aus. Adam fühlte sich beleidigt. Was sollte denn dieser Quatsch jetzt?. ,,Ich und Alex?”, fragte Leo lachend. Adam nickte. Die Beweise waren ganz klar. ,,Alex ist kurz für Alexandra. Alexandra ist meine Nachbarin und bald 50. Sie hatte sich bei Ikea einen Schrank bestellt und brauchte Hilfe beim Aufbau. Hat halt ziemlich lange gedauert und ich bin spät ins Bett gekommen”, erklärte Leo und oh. Oh. Das klang logisch. Plötzlich fühlte Adam sich dumm. Warum konnte sein Gehirn aber auch nicht erst denken, bevor es irgendwelche Schlussfolgerungen formte, die am Ende gar nicht stimmten.
,,Du musst also nicht eifersüchtig sein”, schob Leo noch nach und irgendwie fühlte Adam sich ertappt. ,,Ich bin nicht eifersüchtig”, sagte Adam also wenig schlau und verschränkte demonstrativ seine Arme vor seiner Brust. Leo zog nur seine beiden Augenbrauen hoch und trat einen Schritt vor. Dann legte er eine Hand auf Adams Arm. Adam atmete aus, tief ein, tief aus. ,,Ja ok, ich war eifersüchtig, sehr sogar”, gab er schließlich zu.
Leo lächelte und Adam konnte seine Augen nicht von Leos Lippen abwenden. Sein Lächeln war aber auch wundervoll. Jetzt wäre der perfekt Moment, dachte Adam. Jetzt oder nie. Leo kam ihm jedoch zuvor. Er legte seine Lippen auf Adams und Gott, seine Knie gaben fast nach. Das war alles, woran er in den letzten Wochen und Monaten denken konnte. Jetzt passierte es und Adam konnte es irgendwie nicht richtig begreifen. Das Gefühl von Leos Lippen auf seinen war unbeschreiblich. Leos Lippen waren weich und nicht rau, so wie Adam es eigentlich erwartet hatte. Adam seufzte leise in Kuss hinein.
bald wurde jedoch die Luft knapp und widerwillig löste Adam sich von Leo. Auch dieser sah aus wie in Trance. Adam nahm Leos Kopf in seine Hände und legt seine Stirn auf Leos. ,,Warum bist du nie auf meine Flirtversuche eingegangen?”, fragte Adam leise und Leo zuckte mit den Schultern. ,,Du hast mich 15 Jahre warten lassen, da sind ein paar Wochen gar nichts”, antwortete Leo und Adam verzog sein Gesicht. Das hatte er verdient.
,,Jetzt werde ich dich aber nicht mehr gehen lassen”, meinte Leo und schaute Adam direkt in die Augen. Dieser musste schlucken. Leos Augen waren so intensiv und sein Versprechen klang mehr nach einer Drohung, aber das war Adam völlig egal. Leo musste sich da jedoch keine Sorgen machen. Adam würde ihn nie wieder verlassen.
