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Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandom:
Relationship:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2023-07-19
Completed:
2023-10-19
Words:
67,530
Chapters:
12/12
Comments:
18
Kudos:
126
Bookmarks:
12
Hits:
3,172

Sollbruchstelle

Summary:

Ein Kuss, an dem sie haarscharf vorbeigeschlittert waren. Zwei Verabredungen, die nie zustande kamen. Fünf Monate nach Madeira: das lang erwartete Wiedersehen. Und jetzt?

Notes:

Überraschung!

Leute, seid ihr bereit? Starten wir in eine neue Story? Ich mein, heute ist Donnerstag, und heute sehen sich Mexi und Rezo endlich wieder! Ich sags euch, es ist ein Omen, das muss jetzt heute raus. Ich bin sehr, sehr gehyped, das wird mega, und ab jetzt sehen wir uns hier auch wieder regelmäßig.

Disclaimer: ihr kennt meine Stories, wir hangeln uns wieder am real life entlang, was heißt, dass Kapitel auch mal ein bisschen später kommen können, wenn ich z. B. noch auf eine Podcast-Folge warte oder so. Wenn ein Kapitel ausfallen sollte, sag ich euch natürlich Bescheid.

Hach, ich sags euch, ich freu mich auf frischen Content von den beiden. Hoffentlich kommt der auch bald raus. Jetzt erst mal viel Spaß mit diesem Kapitel!

(See the end of the work for more notes.)

Chapter 1: Prolog

Chapter Text

Rezo starrte auf sein Handy und kaute auf seiner Lippe herum.

Neben ihm auf der Couch schnaubte der Hund, als ob sie die Nachricht auch gelesen hatte, die er gerade in ihre WhatsApp-Gruppe gestellt hatte.

Er hatte die Worte zu lange hin- und hergeschoben, in seinem Kopf und in dem kleinen Feld, bis er sich überwinden hatte können, sie zu senden: 'Leute, mir tuts total leid, aber ich bin krank und hab keine Stimme. Ich bin leider raus für Samstag.' Und damit war das Wochenende erledigt.

Es war die richtige Entscheidung. Das wusste er. Er konnte sich nicht mit einer Erkältung, Kehlkopfentzündung, womöglich einer sich anbahnenden Grippe, stundenlang in den Flieger setzen. Andere anstecken. Und dann nicht mal die Party genießen oder einfach zum Hausarzt gehen können, weil Portugal und Sprachbarriere.

Gedankenverloren kraulte er Claras Kopf, und die Hündin winselte leise als sie ihren Kopf auf seinem ausgestreckten Bein ablegte. Wie feinfühlig Tiere waren.

Rezo seufzte.

Dann vibrierte sein Handy in seiner Hand.

'Oh nein. Gute Besserung!', schrieb Toni.

'Fuck ruh dich aus', kam es von Hugo. Weitere Nachrichten mit ähnlichem Inhalt folgten.

Eine Rückmeldung glänzte natürlich durch ihre Abwesenheit: Mahzad, für die die ganze Party eigentlich sein sollte und die deshalb nicht in der Orga-Gruppe dafür war. Ihr würde er nach besagter Party separat schreiben müssen.

Ausgerechnet jetzt, wo der Stress weniger wurde, wo er sich schon so darauf gefreut hatte, mal wieder einen Tapetenwechsel genießen zu können. So viele Leute wieder zu sehen, die er gerne mochte, mit denen es Spaß machte, abzuhängen. Eine bestimmte Person ganz besonders, das musste er sich eingestehen. Blaue Augen, die ihn immer schelmisch anblitzten. Verführerisch geschwungene Lippen, die er schon fast— egal.

Der Zug war eh abgefahren.

Gut, der metaphorische Zug war vielleicht abgefahren, aber... das Flugzeug war noch nicht gestartet.

In diesem Moment fühlte er sich eigentlich gar nicht so schlecht, abgesehen von der fehlenden Stimme. Vielleicht würde der Spuk doch schneller vorbei sein?

Wie schnell würde Lisa die Flüge wieder buchen können, die er sie schon stornieren hatte lassen?

Könnte er doch...?

Ein Hustenanfall schüttelte ihn. Clara linste ihn aus ihren Augenwinkeln an.

Nein. Die Entscheidung war die richtige. Sicherheitshalber zu Hause bleiben, auskurieren, niemanden anstecken. Logisch, sinnvoll.

Rezo versprach sich, Madeira nachzuholen. Bald. Irgendwie.

Er seufzte noch einmal.

Da fiel ihm auf, dass auch Mexi noch nicht geschrieben hatte, aber das war auch nicht ungewöhnlich. Manchmal sah er lange nicht auf sein Handy, und an manchen Tagen wechselten sie nicht eine Nachricht.

Mit Mexi war das alles was anderes, irgendwie.

Sie konnten sich wochenlang, monatelang nicht sehen, aber wenn sie sich trafen, dann war es, als ob sie sich am Tag davor erst gesehen hatten. Da war eine Selbstverständlichkeit und ein Verständnis zwischen ihnen, wie er es sonst nur mit Ju kannte. Und trotzdem war das mit Mexi auch etwas anderes als mit Ju.

Just in diesem Moment kam eine weitere Nachricht an, aber nicht in der Gruppe.

Im Privatchat, von Mexi.

Und alles, was er schrieb, war ein Sticker mit einer weinenden Katze.

'Ich weiß', antwortete Rezo.

'Hätt mich gefreut. Nachdems im März schon nicht geklappt hat.'

März hatte... weh getan, aus vielen Gründen.

'Erst du und deine Lebensmittelvergiftung, jetzt ich und mein Hals.' Mehr konnte Rezo nicht sagen. Wie es ihm im März gegangen war, was er Mexi zu sagen gehabt hatte, aber ihm nicht schreiben wollte... Das musste er Mexi irgendwann unter vier Augen erzählen. Wenn sie sich denn irgendwann wieder sahen. Und wenn sich Rezo dann nicht von diesen Lippen wieder ablenken ließ.

Mexis Antwort kam prompt. 'Kannst du wirklich nicht reden, so gar nicht?'

'Digga, ich krieg kein Wort raus. Bin total heiser. Echt nicht nice so.'

Der Sticker, der daraufhin kam, zeigte eine Katze mit wackelnden Augenbrauen.

Rezo musste fast lachen, als er mit den Augen rollte. Mexi und seine Katzensticker.

'Klingt sicher... interessant. Krieg ich ne Sprachnachricht?'

'Nein', schrieb Rezo, aber er konnte sich das Lächeln nicht mehr verkneifen.

'Oooch komm schon. Nur ein kleines 'Hey, Mexi, naaaa'? Bitte?'

Rezo schüttelte den Kopf, aber musste grinsen. Spontan drückte er auf die Sprachnachrichtentaste und sagte nur "Nein." Es war kratzig, kaum zu hören, weniger als geflüstert, und zutiefst amüsiert.

'Sehr cute', schrieb Mexi zurück, dann: 'Gute Besserung, Daddy.'

Rezo sah kurz an die Decke. Immer das gleiche mit ihm. Clara riss ihn aus den Gedanken, weil sie ihren Kopf schräg legte, damit er sie besser hinter den Ohren kraulen konnte. 'Jemand hat mir auf Insta geschrieben, Sperma schlucken hilft.'

Mexis Tonfall war direkt hörbar, als er antwortete: 'Brauchst du da Hilfe mit? Soll ich vorbeikommen?'

Als ob Rezo einen reminder brauchte, warum er Mexi das letzte Mal aufgefordert hatte, vorbeizukommen. Als ob Rezo einen reminder brauchte, wie oft sie schon über Küsse und Blowjobs gescherzt hatten. Als ob er einen reminder brauchte, wie oft er gedanklich schon in diese Richtung abgedriftet war – wie Mexi schmecken, sich anfühlen würde – nein, er musste aufhören, sich beruhigen.

Jedenfalls: frech.

Zugegebenermaßen aber auch ein bisschen hot.

Dieser Kerl.

Wenn Rezo jemals herausfinden würde, warum das bei ihnen immer so endete, dann würde er einen Besen fressen. Er lachte, aber das tat schon wieder im Hals weh.

Vielleicht... wahrscheinlich würde sich dieser Spuk doch noch länger ziehen.

'Danke, ich komm allein klar', schrieb Rezo zurück.

'Du sitzt ja an der Quelle.' Der nächste Sticker – wer erstellte sowas denn? – war eine Katze mit einem Schnapsglas in der Hand. 'Prost. Sag danach Bescheid, obs geholfen hat.'

Sie mussten ganz dringend weg von dieser Thematik. Warum hatte er ausgerechnet Sperma schlucken aufgebracht? Mit Mexi? Wie gut, dass sie etwas Distanz geschaffen hatten in letzter Zeit.

Distanz, die Rezo nicht wollte, vielleicht gebraucht hatte, aber bereute und verfluchte, und die so schnell verflogen war, wie sie sich gebildet hatte.

'Sag mal, was treibst du eigentlich? Gehts dir gut? Wie war dein Date letztens? Erzähl mal.'

Für eine Minute kam nichts. Hin und wieder tippte Mexi, dann wieder nichts. Eine weitere Minute verstrich, und Rezo legte das Handy weg, um sich frischen Tee zu kochen und etwas zu essen zu holen. Das würde also länger dauern.

Bis er zurück auf der Couch bei einer ungestört schlafenden Clara war, waren drei neue Nachrichten in ihrem Chatverlauf.

'Also erstens: Dates, Mehrzahl. Wir haben uns jetzt schon ein paar Mal getroffen und sie ist wahnsinnig toll. Versteht mal, was es heißt, wenn ich beruflich eingespannt bin und so.'

'fr da ist mehr und ich finds fast... idk. Ein bisschen beängstigend, aber ich bin wahnsinnig happy.'

'Du würdest sie mögen.'

Bevor er überhaupt anfing, darauf eine Antwort zu formulieren, riss er die Packung More Protein Chips auf, die er sich mitgenommen hatte – auch wenn Clara das Rascheln gar nicht gefiel. Sie hob beim ersten Knistern der Packung den Kopf und rümpfte die Nase, bevor sie sich demonstrativ halb auf seinen Schoß legte.

Rezo las Mexis Nachrichten noch einmal; er konnte ihn sich richtig vorstellen, wie er breit in sich hinein grinsend vor seinem Handy saß und tippte. Das Bild vor seinem inneren Auge brachte ihn genau so zum Grinsen. 'Seid ihr zusammen?'

'Ja', schrieb Mexi sofort, ohne zu zögern.

Er hatte eine Freundin. Und irgendetwas in Rezo zog sich zusammen, nur um dann mit einem Kribbeln zu explodieren.

Mexi mit einer Frau? Die ihn so liebte, wie er war, die ihm Zeit schenkte, und das, wo Mexi immer lamentiert hatte, dass er keine Zeit für eine Beziehung hatte? Dass er für immer Single bleiben würde?

Rezo konnte nicht anders als in seine Hand zu kichern.

'Ey, Mexi, wie sweeeeet. Erzähl mir ALLES!'

Und wie er da so auf die Aktivitätsleiste sah und beobachtete, dass Mexi schrieb, dann eine Sprachnachricht aufnahm, da spürte Rezo eigentlich nur eines: Freude. Von Herzen einfach nur Freude für Mexi, weil er wusste, wie sehr er es verdiente, wie sehr er sowas auch brauchte.

Wie sehr Rezo ihm das nie geben hätte geben können. Zeit, Aufmerksamkeit.

In diesem Moment konnte Rezo darüber glücklich sein, dass Mexi glücklich war. Das war auch nicht schwer, als er eine eineinhalbminütige Sprachnachricht bekam, in der Mexi viel zu schnell und richtig cute und überschwänglich von ihren Dates erzählte. Wie süß sie war, als sie ihn zum ersten Mal geküsst hatte.

Noch während Rezo seine Antwort tippte, schrieb Mexi hinterher: 'Ich hoffe, das ist okay, dass ich dir davon erzähle.'

Rezo kopierte das bereits Getippte in die Zwischenablage. 'Sonst hätt ich nicht gefragt', schickte er stattdessen zurück, und: 'Warum sollte es nicht okay sein?'

'Nicht dass du denkst, ich will dich eifersüchtig machen oder so.'

'Falls du es nicht bemerkt hast, bin ich kein eifersüchtiger Mensch. Like, at all.' Rezo ertappte sich wieder dabei, wie er auf seiner Lippe kaute. Irgendwas verpasste er gerade.

Was ging in Mexis Kopf vor?

Bevor Mexi zurückschreiben konnte, setzte Rezo hinterher: 'Und warum sollte ich? Es macht mich mega happy, dass du happy bist. Und jetzt lass mich erst mal deine Sprachnachricht beantworten.'

Wenn Mexi auf die Idee kam, dass er Rezo eifersüchtig machen könnte – nein. Rezo verwarf den Gedanken, bevor er sich in irgendetwas verstricken konnte.


Mexi starrte auf sein Handy und kaute auf seiner Lippe herum.

Vielleicht hatte er ja schon immer zu viel hineininterpretiert. Vielleicht.

Aber immerhin hatte er Rezo endlich gesagt, dass er eine Freundin hatte. Warum nur hatte er so lange gezögert? Die Erleichterung, die er jetzt spürte, war, wie wenn ihm jemand einen Ziegelstein von den Schultern genommen hätte.

Egal. Es war raus. Mexi war glücklich, und Rezo wusste Bescheid, und freute sich für ihn.

Alles war in Ordnung.