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Silbern

Summary:

Um Skinny aufzuspüren, schlüpft Bob in die Rolle von Stan Silver. Er kann schließlich nicht ahnen, dass genau dieser Name ihm zum Verhängnis wird.

Und über allem die Frage: "Was hat Skinny Norris diesmal angerichtet?"

Notes:

Was bisher geschah:
Nach über einem Jahr voller undurchsichtiger Situationship-Dates zwischen Bob und Skinny scheint es, als wäre alles nur vorgetäuscht gewesen. Skinny taucht nach einer Serie an Einbrüchen unter und Bob ist am Boden zerstört.
Sechs Monate später bekommen die drei Fragezeichen einen anonymen Brief, der sie beauftragt, Skinny zu finden, der offenbar in Schwierigkeiten steckt. Bob kann sich endlich dazu durchringen, seine Freunde über seine Beziehung mit Skinny aufzuklären.
Und die drei Detektive wären nicht die drei Detektive, wenn sie nicht jeden Fall übernehmen würden...

(See the end of the work for more notes.)

Chapter 1: Little Rampart

Notes:

(See the end of the chapter for notes.)

Chapter Text

Bob schämte sich fast dafür, wie rasant sein Herz schlug, als sie in Little Rampart aus Peters MG stiegen.
Es war nun wirklich nicht das erste Mal, dass die drei Fragezeichen sich in Skinnys kleinem “Drecksloch” (Zitat: Peter Shaw) umsahen. Aber es war das erste Mal, dass Justus und Peter hier waren, seit sie wussten, wie oft Bob im letzten Jahr hier übernachtet hatte. Mal mit mehr Schlaf, mal mit weniger.

Er hatte auf dem Schrottplatz erzählt und erzählt, sich dann unterbrochen und gebeten, auf dem Weg zu Skinnys Wohnung weiterzumachen. Zum Glück hatten seine Freunde ihm die Unruhe wohl angesehen und sie waren aufgebrochen.
Im Auto hatte zuerst Peter ein Geständnis darüber eingeschoben, wie es zu seiner Beziehungspause mit Jeffrey gekommen war, und Bob wäre aus Peinlichkeit am liebsten gestorben. Aber dann hatte er eben doch weitergeredet.

“Und trotz allem machst du dir Sorgen um den Mistkerl?”, hatte Peter am Schluss gefragt, die Fingerknöchel bleich am Lenkrad. “Er hat dich nach Strich und Faden verarscht, Bob!”
Justus war merkwürdig schweigsam gewesen, vertieft in seine eigenen Gedanken. Ausnahmsweise hatte er Bob den Beifahrersitz überlassen und sich selbst auf die enge Rückbank gequetscht. Doch an diesem Punkt hatte er von seinem Handy aufgeblickt.
“Das macht aber nicht ungeschehen, was sie sich davor gemeinsam aufgebaut haben, Peter.” Das war ungewohnt aufgeklärt von ihm und traf den Nagel auf den Kopf.

Bob hätte Skinny verwünschen und auf den Mond katapultieren sollen für die Demütigung, die er durch ihn erfahren hatte. Aber manchmal dachte er an die ruhigen Momente zwischen ihnen zurück; an Skinnys helle Augen und daran, wie er den Kopf leicht zur Seite neigte, wenn er ihm zuhörte, das Starlight Dinner… und er konnte einfach nicht glauben, dass alles davon nur ein Mittel zum Zweck gewesen war.

Ich sollte nur aufpassen! Wie oft er diesen Abend nach dem letzten Einbruch in Gedanken hatte Revue passieren lassen. Skinny hatte richtig flehend geklungen. Aber warum hatte er sich dann danach nie wieder gemeldet?
Nachdem die Einbruchserie beendet und der Fall ergebnislos abgeschlossen worden war, hatte Bob ein einziges Mal den Versuch unternommen, ihn zu erreichen. Doch natürlich war Skinny bereits weitergezogen und hatte nur eine automatisierte Botschaft zurückgelassen: Kein Anschluss unter dieser Nummer.

Wie Bob es auch drehte und wendete, gegen die Anziehungskraft des geheimnisvollen Auftrags konnte er sich nicht wehren. Er musste Skinny wenigstens noch einmal sehen - wenn auch nur, um ihm ins Gesicht zu spucken.
Er hatte es verdient, mit dieser Beziehung, die nie eine gewesen war, abzuschließen.

Das schäbige Backsteinhaus lag still und verlassen in der flirrenden Mittagshitze. Die Haustür stand offen (sie war nie richtig abgeschlossen) und die drei Fragezeichen begegneten niemandem auf dem Weg zu Skinnys Wohnung.
Als sie an PJs Tür vorbeigingen, spitzte Bob die Ohren und horchte auf Stimmen, aber es schien alles ruhig zu sein. Er hoffte, dass Skinny wenigstens den Jungen nicht hatte hängenlassen.

Zwei Türen weiter ging Peter in die Hocke, um sich das Türschloss vorzunehmen, und blieb wie angewurzelt an der Schwelle stehen. “Wir sind nicht die Ersten, seht mal!”
Bob schob sich ungeduldig an ihm vorbei. Das Schloss war bereits aufgebrochen und die Tür schwang unheilvoll auf.

Es war schlimmer als er befürchtet hatte. Skinnys Wohnung war vollkommen verwüstet. Die alte Ledercouch war umgeworfen, der Inhalt von Schränken und Schubladen achtlos ausgekippt, Kissen und Matratze lagen aufgeschlitzt auf dem Boden im Schlafzimmer. Die Luft war so heiß und stickig, dass man sie fast greifen konnte. Wer auch immer hier gewütet hatte, hatte jedenfalls keine Fenster zerschlagen.
Bobs Blick flog in die Ecken, an die Wände, über das Chaos auf dem Fußboden, und scannte nach Blut. Dass er keines fand, beruhigte ihn nur bedingt.

Hinter ihm kam jetzt auch Justus herein und sah sich um. “Das sieht mir ganz nach einer Durchsuchung aus, Kollegen”, befand er.
“Durchsuchung?”, echote Bob. “Hier sieht’s aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen!”
“Dann ist es sonst nicht so unordentlich?”, fragte Peter und schob mit dem Fuß ein paar Klamotten zur Seite.
Bob schnalzte missbilligend mit der Zunge. “Sehr witzig, Zweiter.”

Er hockte sich hin und nahm die zerfetzte Matratze genauer in Augenschein. Justus hatte recht, hier hatte jemand sehr gründlich nach etwas gesucht. “Meint ihr, Skinny war hier?”
“Du meinst, ob er direkt von hier aus mitgenommen wurde?” Justus blätterte durch eine dünne Mappe mit Kontoauszügen, die er vom Boden neben dem Couchtisch aufgehoben hatte. “Das halte ich für unwahrscheinlich. Dann hätte es einen sichtbaren Kampf gegeben.”
“Ach”, schnaubte Peter, der gerade das Bad inspiziert hatte, “und wie nennst du dann das hier, wenn nicht einen Kampf?” Er wischte sich ein paar erste Schweißperlen von der Stirn. Lange würden sie es hier drinnen nicht aushalten, also machte Bob sich wieder ans Inspizieren der ramponierten Einrichtung.

“Machen wir uns doch nichts vor, Kollegen”, sagte Justus sachlich. “Skinny hat vermutlich bei einem Geschäft klebrige Finger bekommen und von wem auch immer er gestohlen hat, diese Person wollte das Diebesgut zurück haben."
Das war wie immer bestechend logisch. Anders kannten sie es von Justus ja gar nicht. Aber Bob fragte sich, ob das schon die ganze Geschichte war. Er stöberte durch die Küchenschränke, ohne zu wissen, wonach er eigentlich suchte. Hauptsache, er konnte seine Hände beschäftigt halten.

“Wenigstens brauchen wir jetzt nicht mehr die Bestätigung von deinem geheimen Kontakt, Erster”, sagte er über die Schulter. Seine eigene Stimme kam ihm hohl vor.
“Oh, die Bestätigung kam schon im Auto”, erwiderte Justus. “Skinny wurde offenbar vor zehn Tagen zuletzt gesehen.”
Bob drehte sich der Magen um. Zehn Tage, das waren anderthalb Wochen. In der Zeit konnte Skinny sonstwas zugestoßen sein.
“Sagt wer?”, wollte Peter wissen.

Beinahe hätte er eine Antwort bekommen, wenn Justus nicht in diesem Moment die Mappe aus der Hand gerutscht wäre. Er bückte sich, dann hörte Bob: “Aha! Kollegen, ich habe was!”
Er stolperte hastig durch das Gerümpel. Justus hatte unter der Couch ein kleines schwarzes Notizbuch hervorgezogen, das Bob als Taschenkalender erkannte.
Ja, Skinny benutzte noch einen analogen Kalender - zumindest für die Termine, bei denen er seine Privatsphäre haben wollte. Womöglich hatte das damit zu tun, dass Bob den Code zum Entsperren seines Handys schon mehrfach erraten hatte und Skinny es deshalb nicht mehr für sicher hielt.

“Zeig mal her!” Und schon hatte Bob das Büchlein an sich genommen. Mit zittrigen Fingern blätterte er durch die dünnen Seiten. Irgendwo in den letzten Wochen musste es einen Hinweis geben, wohin Skinny verschwunden war.
Besonders viele Termine schien er nicht gehabt zu haben. Der Buchstabe S tauchte in regelmäßigen Abständen auf und Bob drängte ein unsinniges Gefühl von Eifersucht zurück. Es ging hier schließlich wirklich nicht um ihn. Und überhaupt war von Exklusivität mit Skinny nie die Rede gewesen.

Bob machte seine Kollegen auf den Buchstaben aufmerksam und sofort begannen sie, in der Wohnung nach Hinweisen auf eine Person namens S zu suchen. Außer Skinny selbst, natürlich. Und für Stan dürfte das S auch nicht stehen.
“Vielleicht trifft er sich auch einfach nur mit ‘ner Salzstange”, murmelte Peter halblaut und brachte Bob damit zum ersten Mal, seit am Vormittag der Brief angekommen war, zum Lachen.

Das war nun wirklich eine gefühlte Ewigkeit her. Der große Fall um Makatao, die mysteriöse Toteninsel.
Damals hatte Skinny sie alle drei ganz schön an der Nase herumgeführt. Wobei es Peter natürlich am übelsten erwischt hatte. Es war verwunderlich, dass der nicht einen Freudentanz aufgeführt hatte bei der Nachricht, dass Skinny verschwunden war. Es war ihm sichtlich schwer gefallen, sich zusammenzureißen.

Jetzt, wo die Karten offen auf dem Tisch lagen, war Bob auch klar geworden, wieso Peter ihn im letzten Sommer so auf Distanz gehalten hatte. Dass sein Ex und bester Freund sich heimlich mit seinem geschworenen Erzfeind traf, musste ihm ganz schön zugesetzt haben. Und er hatte sich nur Justus anvertrauen können.
Trotzdem hatte sein erster Blick, nachdem er den Brief gelesen hatte, Bob gegolten. Bob, der sich so sicher gewesen war, alle Spuren von Skinnys Präsenz in seinem Leben gründlich verwischt zu haben. Aber mit zwei Detektiven als beste Freunde hätte er sich dabei vermutlich mehr Mühe geben müssen.

Aus dem Nichts überrollte ihn eine so gewaltige Welle der Zuneigung für seine beiden Freunde, dass ihm beinahe die Beine wegknickten.
Die Zeiten, in denen er sich geschämt hatte, mit ihnen über Gefühle zu sprechen (Stichwort: Franklin), waren lange vorbei, aber es kam nur selten vor, dass sie einander ehrlich sagten, wie wichtig sie füreinander waren. Eigentlich taten sie das nur, wenn einer von ihnen wieder einmal in Lebensgefahr geschwebt hatte. Natürlich wussten sie das auch ohne Worte, deshalb war es eigentlich gar nicht nötig.
Und obwohl ihm das bewusst war, entschlüpfte Bob ein leises “Danke.”

Justus und Peter hielten in ihren jeweiligen Kram-Haufen inne und sahen überrascht zu ihm auf. “Wofür?”
Bob zuckte hilflos mit den Schultern. “Ich weiß gar nicht, was ich ohne euch machen würde, Freunde. Danke.”
Peter schenkte ihm sein sanftestes Lächeln und auch Justus wirkte ungewöhnlich verlegen. Dann, wie auf Kommando, rafften die beiden sich auf und schlossen Bob in eine viel zu schwitzige Umarmung.
“Danke, danke”, ächzte Bob, “aber es ist zu heiß fürs Gruppenkuscheln. Heben wir uns das für draußen auf, ja?”

Lachend lösten sie sich wieder voneinander. Es fühlte sich an, als wäre eine Spannung von ihnen abgefallen, die Bob zuvor nicht einmal bemerkt hatte. Als hätte er sich nach einem langen Streit endlich entschuldigt. Da fiel ihm siedend heiß ein, dass er das noch tun musste.
“Tut mir leid, dass ich euch das alles nicht früher erzählt habe”, platzte er heraus. “Ich dachte ehrlich gesagt nicht, dass ihr so viel Verständnis haben würdet für mich und Skinny. Und nach den Einbrüchen dachte ich ja auch, es hätte sich erledigt… Jedenfalls… tut es mir leid. Ich will keine Geheimnisse vor euch haben.”

“Ach, Bob”, seufzte Peter und legte sein Kinn auf Bobs Kopf ab, “mir tut es auch leid, dass ich dir deshalb ewig aus dem Weg gegangen bin. Das mit Jeffrey war einfach schlechtes Timing, da konntest weder du was für noch Skinny. Haben wir uns jetzt alle wieder lieb?”
Bob kicherte. “Das musst du mit deinem Beziehungspausen-Freund klären. Und du, Just? Ich weiß, du magst es nicht, wenn wir nicht offen miteinander sind.”
“Längst verziehen, Dritter”, versicherte Justus. “Vermutlich hätte ich an deiner Stelle genauso gehandelt.”

Er schien versucht zu sein, noch etwas zu sagen, aber er unterbrach sich, als sein Blick auf den Taschenkalender fiel.
“Nanu? Bob, hast du das hier schon gesehen?“, fragte er und zog einen sorgfältig zusammengefalteten Zettel aus dem Umschlag an der Rückseite des Büchleins. Hinter der letzten Seite hatte Bob in seiner Aufregung natürlich noch nicht nachgeschaut. Er faltete das Papier auseinander.

Auf den ersten Blick wurde ihm die Sache klar. Skinny hatte ermittelt - eine wirklich lästige Angewohnheit für jemanden wie ihn. Ungewohnt ordentlich, aber eindeutig in seiner Handschrift, hatte er Notizen zusammengetragen.
Was Bob als Erstes ins Auge sprang, waren Zahlen, die offenbar eine Geldsumme darstellten, bei der Bobs Studienkredit Minderwertigkeitskomplexe bekam. Das Zweite war ein Stichwort, das Skinny mehrfach umkreist und unterstrichen hatte.

Tigerhöhle”, las Bob vor und zog die Nase kraus. “Sagt euch das was, Freunde?”
Peter schaute ihm über die Schulter auf den Notizzettel. “Scheint irgendein Club zu sein”, folgerte er aus dem Gekritzel. “Bisschen on the nose mit der Namensgebung, wenn du mich fragst, aber ansonsten klingelt bei mir nichts. Bei dir, Just?”
“Das habe ich doch irgendwo schon einmal gelesen”, überlegte Justus. “Lasst mich mal nachdenken.”

Während der erste Detektiv grübelte, widmete Bob sich wieder Skinnys Notizen.
Es sah ganz danach aus, als wären Zahlungen zwischen Skinny und der Tigerhöhle hin und her gewechselt. Dazu waren Kürzel notiert, die sicherlich für Kontaktpersonen standen, Treffpunkte und Uhrzeiten…
In der unteren linken Ecke des Blattes sah es aus, als hätte Skinny nur getestet, ob sein Stift noch schrieb. Das Ergebnis war eine Folge von Punkten und Strichen - Morsecode?
Bob klopfte den Rhythmus mit dem Mittelfinger gegen die Wand, aber die kurze Abfolge sagte weder ihm noch Justus und Peter etwas. Eins, zwei, einszweidrei, eins, zwei, einszwei. Zweimal lang, dreimal kurz, zweimal lang, zweimal kurz. Sieben Z? Das ergab jedenfalls keinen Code, der ihnen bisher untergekommen war.

“Sollten wir dieser Höhle mal einen Besuch abstatten, was meint ihr?”, fragte Bob. Er war mit seinem Latein langsam am Ende.
“Kann nicht schaden”, meinte Peter.
Justus zog die Augenbrauen zusammen. “Das sehe ich anders, Zweiter. Wenn Skinny tatsächlich in Schwierigkeiten steckt, könnte das sogar sehr gefährlich werden. Ich schlage vor, dass wir zuerst ein wenig über den Ort in Erfahrung bringen. Um diese Uhrzeit wird dort sowieso niemand anzutreffen sein.”

“Niemanden anzutreffen war genau meine Absicht, Erster”, sagte Bob. “Wir lassen uns da rein und schauen uns mal ganz in Ruhe um, bevor die heute Abend aufmachen.”
“Wenn wir dann erwischt werden, stehen wir ganz schön dumm da”, widersprach Justus. “Lasst uns bei der Sache bleiben, Kollegen. Mir ist klar, dass du schnellstmöglich ein paar Antworten willst, Bob, dennoch sollten wir nichts überstürzen.”

Das sah Bob dann doch ein. Unter normalen Umständen hätten sie womöglich Inspektor Cotta über ihr Vorhaben informiert und einen richtigen Plan geschmiedet - nur waren das hier keine normalen Umstände. Und ihr anonymer Auftraggeber war deutlich gewesen: keine Bullen. 

So blieb ihnen nichts anderes übrig, sie kehrten mit Skinnys Notizen zum Schrottplatz zurück und verfielen in ihre gewohnten Rollen.
Im Schutz eines riesigen geblümten Sonnenschirms (Eigentum von Mathilda Jonas) richteten sie sich eine Open Air Zentrale ein. Peter und Justus machten sich mit der Adresse und Umgebung des Nachtclubs vertraut, während Bob sich in die Recherchen stürzte.
Er wurde unverhofft schnell fündig: Die Tigerhöhle hatte schon ein ums andere Mal im Zentrum polizeilicher Untersuchungen gestanden und so hatte sie einen gewissen Ruf, der wiederum ein gewisses Klientel anzog.

Als er diesen Fund seinen Kollegen unterbreitete, schnippte Justus aufgeregt mit den Fingern. “Aber natürlich!”, rief er. “Deswegen kam der Name mir bekannt vor! Ich habe in der Zeitung davon gelesen. Der Inhaber hat vor kurzem gewechselt, weil der letzte ins Gefängnis gewandert ist.”
“Lasst uns checken, ob der Zeitpunkt zu den Zahlungen passt, die Skinny sich aufgeschrieben hat”, schlug Peter vor.

Allmählich baute sich um ihren neuen Fall ein Gerüst aus Zusammenhängen auf. Sie unterbrachen ihre Nachforschungen nur, um etwas zu essen.
Die Tigerhöhle hatte schon die unterschiedlichsten Verdachte auf sich gezogen: Drogenhandel, Steuerhinterziehung, Geldfälschung, Hehlerei und nicht zuletzt einige Verstöße gegen das Arbeitsrecht. Doch nichts davon war bis vor ein Gericht gegangen.
Wer auch immer hinter diesem Club steckte, schien eine Menge Einfluss zu haben - oder zumindest zu wissen, was er tat.

Am frühen Abend sollte Peter am Strand einen Surfkurs für Einsteiger unterrichten, den Finnley Stenseth ihm aufgeschwatzt hatte, weil er “keine Kinder mochte”. Die Wahrheit war natürlich, dass Finnley einfach gerne aus dem Schutz seines Ladens zusah, wenn “Superboy” sich vor einer Horde Touristenkinder zum Affen machte.

“Ich kann absagen”, beharrte Peter. “Es sind genug Leute von Liquid Teal da, die die Stunde übernehmen können.”
Aber Bob schüttelte den Kopf. “Geh du ruhig Geld verdienen, wir müssen sowieso mal eine Pause einlegen. So langsam raucht mir der Kopf und ich brauche eine Dusche.”
Also verabredeten sie sich für einen Abstecher zur Tigerhöhle am Abend und teilten sich auf. Peter ging an den Strand, Justus half Onkel Titus, ein paar Ersatzteile zu katalogisieren, und Bob fuhr nach Hause und stellte sich unter die Dusche.

Skinny hing irgendwie in den Machenschaften dieses Clubs mit drin, soviel war klar. Im Brief hatte gestanden, er hätte sich “mit den Falschen angelegt”.
Ob er bei irgendwelchen krummen Geschäften etwas in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte? Wohin war er dann verschwunden? Und wer wusste davon und würde ausgerechnet die drei Fragezeichen anheuern, um ihn zu finden?

Die vielen offenen Fragen ließen Bob keine Ruhe und er vergaß über seinen Grübeleien fast die Zeit, sodass er doch statt dem Fahrrad den Käfer zum Schrottplatz nehmen musste.
Aber so schlecht war das gar nicht, denn mit dem Sonnenuntergang kam auch eine kühle Brise vom Pazifik und Bob hatte auf dem Rücksitz seines Autos noch einen Notfall-Hoodie, den er sich vor dem Aussteigen überzog. Nur im T-Shirt hätte es ihn doch gefröstelt und es bestand immerhin die Möglichkeit, dass sie längere Zeit draußen sein würden, um den Club auszuspähen.

Peter kam wenige Minuten nach ihm an und hatte wohl ebenfalls einen Zwischenstopp zuhause eingelegt, denn er trug Shorts, die keine Badehose waren, und seine hellblaue Jeansjacke über einem frischen Muscleshirt.
Justus hatte sein grässliches Hawaiihemd vom Mittag (türkis) gegen ein anderes grässliches Hawaiihemd (dunkelrot) ausgetauscht, doch auch an dem neuen entdeckte Bob schon wieder Ölflecken.
Sie mussten einen recht eklektischen Anblick bieten, wie sie zu dritt in Peters alten MG stiegen und zielsicher der Küstenstraße in Richtung Santa Monica folgten.

Die Tigerhöhle lag ein kleines Stück außerhalb der Stadt, wenige Meilen hinter dem Memorial Hospital im Osten von Rocky Beach. Sie war beinahe versteckt auf einem Privatgrundstück zwischen dichten Bäumen. Hätten die drei Detektive sich nicht vorher die Adresse genauestens angesehen, wären sie wahrscheinlich daran vorbeigefahren.
Das Gebäude an sich machte nicht viel her, es war ein einstöckiges Haus mit Flachdach, das aussah, als hätte man es mitten auf der Wiese nur kurz abgestellt und dann schlichtweg vergessen. Dahinter lag ein kleiner betonierter Parkplatz, der bereits von Partygästen besiedelt war, weshalb Peter beschloss, lieber am Straßenrand zu halten und sich das Treiben von weitem anzusehen.
Also stiegen sie aus, lehnten sich ans Auto und blieben im Schatten der Bäume. Bobs Herzschlag kam ihm selbst unangenehm laut vor.

Eine Weile sahen sie zu, wie Gäste abgesetzt und an der dicken, klobigen Metalltür von einem ernst aussehenden Türsteher überprüft wurden, ehe sie ins Innere verschwanden. Es kamen hin und wieder auch Leute heraus, schlenderten Arm in Arm zu einem geparkten Auto oder fanden sich in kleinen Grüppchen zum Rauchen an der freien Seite des Hauses zusammen. Alles in allem schien ganz normaler Clubbetrieb zu herrschen. Die Zeit verstrich.

“Also, Kollegen, mir reicht’s jetzt”, entschied Bob schließlich. Er zog sich seinen Hoodie über den Kopf. “Peter, gib mir deine Jacke.”
“Eh… was hast du vor?”, fragte Peter argwöhnisch, gehorchte aber.
“Ich werde da reingehen und Ermittlungen anstellen”, erklärte Bob, während er in die Jeansjacke schlüpfte. Sie war ihm etwas zu groß und er verschwand mit seinem roten T-Shirt fast darin. Dann steckte er die Hände in seine Hosentaschen und grub dort herum.

“Bob, das ist keine gute Idee”, kam schwacher Protest von Justus. “Wir wissen nicht, was für Leute uns in diesem Club erwarten.”
“Und du musst zugeben”, ereiferte sich Peter und drückte Bobs Hoodie fest an sich, “dass du einen Hang dazu hast, dich niederschlagen zu lassen! Wirklich, Bob-”

Bob hatte das Haargummi gefunden, das er gesucht hatte, und war im Begriff, sich die schulterlangen Locken zurückzubinden. Mit dem Gummi zwischen den Zähnen hielt er inne und sah seine Kollegen mit einem wölfischen Grinsen an, das sie so noch nie an ihm gesehen hatten.
“Wer ist denn dieser Bob, von dem ihr dauernd redet? Ich bin Stan Silver.”

Peter sog scharf die Luft ein. “Und du bist dir sicher?”, war alles, was er sagte.
Bob hielt seinem Blick stand. “Ist doch nicht das erste Mal, dass ich mich undercover irgendwo reinschleiche.”
“Nee, und es wäre auch nicht das erste Mal, dass du nicht unbeschadet wieder rauskommst”, beharrte der zweite Detektiv. “Just, jetzt sag doch auch was!”

Justus musterte Bob nachdenklich. “Du darfst nicht vergessen, dass wir in diesem Fall nicht die Polizei in der Hinterhand haben.”
“Weiß ich”, nickte Bob ernst. “Ihr zwei müsst mir den Rücken freihalten.”
Peter blickte fassungslos von einem Freund zum anderen. “Ihr spinnt doch!”, zischte er schließlich. “Lass mich wenigstens mitkommen.”

“Zu zweit sind wir zu auffällig.” Bob fasste ihn sanft am Ellenbogen. “Peter. Wenn ich in einer Stunde nicht zurück bin, ruft ihr Cotta an und lasst die ganze Sache hochgehen. Bis dahin sollte ich hoffentlich irgendetwas herausgefunden haben. Unser mysteriöser Auftraggeber wollte schließlich, dass wir herkommen.”
“Ja, oder es war die ganze Zeit über eine Falle!”

Bob zog in einer hilflosen Geste die Schultern hoch - eine Bewegung, die zu seinem neuen Look so gar nicht passen wollte. “So oder so bin ich danach einen Schritt näher an Skinny.”
Eigentlich hatte er natürlich “sind wir” sagen wollen. Seinen Ausrutscher bemerkte er erst, als er Peters gequältes Gesicht sah.
“Na schön”, gab der jetzt endlich nach. “Eine Stunde. Aber keine Minute länger.”

Notes:

Willkommen in Akt 2! Zu niemandes Überraschung wird hier alles ganz schlimm.

Ihr seid herzlich eingeladen, Popcorn zu essen, während ihr leise kichernd "Oh nooo" flüstert. So ging's mir jedenfalls beim Schreiben :D