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„Ach Esther“, sagt Pia, noch bevor sich die Tür hinter ihr geschlossen hat. Das Grinsen auf ihren Lippen lässt andeuten, dass es keineswegs ein Seufzer ist, mit dem sie den Namen ihrer Kollegin ausgesprochen hat, sondern Freude. Um das zu verdeutlichen, sagt sie jetzt auch noch: „Ich bin so froh, dass du dich als Fußballfan geoutet hast.“
Leo muss fast auflachen, so schnell wie die Emotionen über Esthers Gesicht tanzen: Neugierde, Überraschung und jetzt, zum Schluss, strikte Ablehnung. Und das, bevor Pia überhaupt gesagt hat, was sie will. Man muss Esther allerdings zugute halten, dass sie den Argwohn in ihrer Stimme auf ein Minimum reduziert, als sie eine Augenbraue hebt. „Warum genau?“
„Ich hab’ uns für das Turnier angemeldet!“, verkündet Pia daraufhin. Nur dass sie dann nicht mehr nur Esther anstrahlt, sondern ihren Blick einmal quer durch den Raum zu ihm und Adam wandern lässt.
Dass sie in diesem uns offenbar mitgemeint sind, bleibt auch Adam nicht verborgen. Der hatte bislang zwar so getan, als würde ihn nichts anderes als der Bericht interessieren, den er gerade abtippt, doch offensichtlich hat er zumindest mit einem Ohr mitgehört. Auch wenn er das scheinbar noch nicht gänzlich preisgeben möchte. Denn seine Stimme ist so leise, dass nur Leo ihn hören kann. „Was denn für ein Turnier?“
Leo kann als Antwort nur die Schultern heben.
Ihr Austausch bleibt nicht unbemerkt. Pia schnalzt mit ihrer Zunge, während sie zu ihnen herüber kommt, bevor sie meint: „Ihr kriegt auch gar nix mit vom Flurfunk, oder?“
Das ist wahr. Leo war noch nie der Typ für Klatsch und Tratsch – sehr zum Leidwesen seiner Schwester, die eine selbsterklärte Gossipmaus ist. Vielleicht liegt es daran, dass er seit seiner Jugend so viel verschweigen musst, aber Leo kann nicht einmal Interesse an dem Leben von Menschen, die er nicht einmal kennt, vortäuschen, solange es nicht relevant für einen Fall ist. Also nein; worüber seine Kollegen in der Teeküche plaudern, könnte ihm kaum egaler sein.
Scheinbar ist das bei Pia ganz anders. Sie wirkt fast schon frustriert darüber, dass sie so eine Nicht-Reaktion bekommt. Sie zieht scharf die Luft ein, bevor sie erklärt: „Die Polizei richtet so ein Fußballturnier aus. Der Gewinner kriegt eine neue Kaffeemaschine.“
„Unsere Maschine ist doch völlig in Ordnung“, meint Esther und legt die Stirn in Falten.
„Eine Siebträgermaschine“, ergänzt Pia. Dabei bekommt ihr Gesicht einen fast schon schwärmerischen Ausdruck. “Ich hab’ die mal gegoogelt, die kann alles–“
„Warte, und die kriegt man, wenn man ein Fußballturnier gewinnt?“, fasst Leo zusammen. Für ihn klingt das wie die Hölle – soweit er weiß, gibt es Kollegen im Präsidium, die mal in irgendeiner Bezirks- oder Kreis- oder Was-auch-immer-Liga gespielt haben. Da können sie genauso gut auch einfach so zusammenlegen und sich eine Maschine kaufen.
Seinen Argwohn bemerkt Pia aber scheinbar nicht. „Jap!“, sagt sie also stattdessen. „Und wirklich, wir sind doch alle fit. Und da Esther sich auskennt–“
„Kann die Baumann überhaupt spielen?“, will Adam mit einem Brummen wissen. Dabei verschränkt er die Arme vor der Brust und hebt eine Augenbraue in Esthers Richtung. „Nur weil die ins Stadion geht–“
Die Stichelei hat scheinbar gesessen. Esther hat bislang noch keine Euphorie hinsichtlich Pias Plan gezeigt, doch ihr Ego scheint von Adams Worten doch getroffen zu sein. „Ich hab’ mehr Ahnung als du“, faucht sie zurück.
„Adam war Teamcaptain in der Schule“, wirft Leo ein, ohne nachzudenken.
Den bohrenden Blick, den Adam ihm daraufhin zuwirft, hat er vermutlich verdient. Denn ja, Adam war Kapitän – das bedeutet aber nicht, dass er es genossen hat. Leo hat ihn nie spielen sehen – denn zu Spielen zu gehen, hätte bedeutet, den alten Schürk zu treffen, worauf er dankend verzichtet hat –, also kann er nicht sagen, wie gut er wirklich gewesen ist, aber die Rolle vergeben sie ja nicht an jeden. Doch Adams Geschimpfe über den Sport und das Training hat gereicht, um auch Leo eine leichte Abneigung gegenüber Fußball einzubläuen.
„Oh, was?“ Pias Augen glänzen fast, als sie sich jetzt völlig den Männern zuwendet.
Hinter ihr schnaubt Esther. „Lass mich raten: Du hättest Profi werden können, wenn der Kreuzbandriss nicht gewesen wäre?“
Adam beißt die Zähne so hart zusammen, dass Leo fast fürchtet, sie könnten zerbrechen. „So in etwa“, bringt er hervor. Leo kann ihm nicht verübeln, dass er das Thema nicht vertiefen will – auch wenn da gar keine Verletzung war, die das Ende seiner Karriere bedeutet hätte.
Dass er offensichtlich genervt von der Richtung ist, die das Gespräch genommen hat, bemerkt Pia nicht. Oder es ist ihr egal. „Das ist ja perfekt!“, verkündet sie mit einem Grinsen. „Welche Position hast du gespielt?“
„Ich hab’ da keinen Bock drauf“, gibt Adam zurück.
Allerdings klingt es mehr wie sein übliches Gepöbel als wie eine ordentliche Abfuhr, sodass Pia noch eine Schippe drauflegt: Sie setzt ihren besten Hundeblick auf. „Ach, komm schon, Adam“, bettelt sie jetzt quasi. „Das wird bestimmt lustig!“
„Wir sind nicht mal genug Leute“, versucht Adam es. Damit hat er natürlich recht.
Auch das tut Pia jedoch keinen Abbruch. „Die Teams sind alle auf maximal fünf Spieler gedeckelt“, winkt sie ab. „Und wir würden zuerst eh gegen das LKA 3 antreten, die sind auch nur zu viert.“
Der Blick, den sie Leo aus dem Augenwinkel zuwirft, beweist, dass sie ganz genau weiß, was sie hier tut. Dass sie damit auch endgültig seine ungeteilte Aufmerksamkeit gewinnt, ist ihr natürlich klar. Leo hat seit jeher eine Art Konkurrenzkampf mit dem Daimler vom LKA 3. Dem eins auszuwischen, würde er sich nie entgehen lassen. Und das weiß nicht nur Pia, sondern auch alle anderen der hier Anwesenden. Deshalb hat es auch keinen Sinn, sich dumm zu stellen.
„Adam war Stürmer“, gibt er jetzt also preis – und diesmal könnte ihm dessen bohrender Blick kaum egaler sein.
Wieder schnaubt Esther. „War ja klar“, befindet sie, während sie jetzt auch zu ihnen herüber kommt.
Adams Gesichtsausdruck kommt einer fauchenden Katze gleich. „Du hast uns immer noch nicht gesagt, ob du überhaupt was drauf hast“, kontert er.
„Keine Karriere, aber ich kicke hin und wieder.“ Dabei hält sie Adams Blick stand, als würden die beiden sich hier gerade wirklich duellieren.
Weil das aber mittlerweile Gewohnheit ist, stört sich Leo nicht weiter dran. Stattdessen schaut er zu Pia auf und merkt an: „Okay, aber ich hab’ keine Ahnung von Fußball.“ Klar, zur WM schaut er auch mal ein paar Spiele und die grundsätzlichen Regeln sind ja einfach, aber mehr als mal einen Ball zu jemandem zu kicken (und nur so mehr oder weniger die Richtung) zu treffen, war bei ihm bislang nicht drin.
Doch auch dafür hat seine Kollegin natürlich schon eine Lösung. „Ach, ich hatte eh überlegt, dass einer von euch Jungs ins Tor geht“, meint sie. „Da würden Esther und ich ja nie drankommen, wenn einer oben hinschießt.“
Das ergibt zwar Sinn, bedeutet aber nicht, dass Leo sich damit gut fühlt. Damit hätte er immerhin noch mehr Verantwortung für den Ausgang des Spiels als die anderen.
Seine Zweifel muss er zum Glück nicht äußern, weil Adams Missmut ihm zuvorkommt. „Ey“, fängt er an und lehnt sich in seinen Stuhl zurück. „Ich hab’ nie gesagt, dass ich da mitmache.“ Er verschränkt die Hände hinter dem Kopf und richtet seine Augen gegen die Decke. „So weit kommt‘s noch, dass ich noch mehr Zeit mit euch verbringe.“
„Du hast doch gar keine Freunde außer uns“, kontert Pia gut gelaunt. Da ist keine Häme, sondern einfach nur nett gemeintes Ärgern.
Zumal sie ja Recht hat. Da ist nicht nur die Tatsache, dass Adam so viel Zeit in Leos Wohnung verbringt, dass er genauso gut seine Adresse als die eigene angeben könnte – und das, obwohl Leos Zuhause nun wirklich nicht genug Platz für zwei Menschen bietet. Der einzige Grund, warum noch nicht alles aus den Nähten platzt, ist, dass Adam nie etwas mitbringt; abgesehen von Fast Food oder Bier. Er bleibt die meiste Zeit ja nicht einmal über Nacht, außer es wird wirklich zu spät oder er hat zu viel getrunken. Dann macht er es sich auch mal auf Leos Couch gemütlich.
Nein, dazu kommen die regelmäßigen Serienabende, die er mit Pia hat. Irgendwann hatten sie gemerkt, dass sie beide auf Produktionen stehen, von denen nun wirklich kein normaler Mensch jemals gehört hat. Da waren skandinavische Serien über Roboter, irgendwas über chinesische Seelenverwandte und so viele Dokus über Verschwörungstheorien, dass Leo aufgehört hat, mitzuzählen.
Und nachdem sie alle erfahren haben, dass Esther auf Frauen steht, hat Adam es sich zur Aufgabe gemacht, sie regelmäßig zu irgendwelchen queeren Ausstellungen in den entferntesten Käffern des Saarlands zu entführen. Die meiste Zeit schimpft er dann im Nachhinein darüber, wie unsinnig die Installation oder wie nervig die Menschen da waren – allen voran natürlich Esther, die laut ihm nichts anderes kann als über das Patriarchat zu meckern. Aber Leo kann sehen, dass diese Ausflüge ihrer Beziehung keinen Abbruch tun, eher im Gegenteil. Die Sprüche, die sie einander drücken, gehen zwar schon länger nicht mehr gezielt unter die Gürtellinie, aber mittlerweile sind sie völlig zu fast schon liebevollen Neckereien mutiert.
Und jetzt steht Pia so selbstsicher und vorfreudig vor ihnen, dass es Leo fast schon warm ums Herz wird.
Scheinbar geht es Esther genauso, denn mit einem Seufzen sagt sie nur: „Das ist eine ganz miese Idee.“
„Wir werden sowas von verlieren“, hält auch Leo fest.
„Ach, Quatsch! Das wird bestimmt super!“, beteuert Pia. „Und am Ende können wir richtig guten Kaffee trinken“, fügt sie an Adam gewandt hinzu.
Keiner von ihnen ist sonderlich glücklich mit dem Gebräu, das aus ihrer jetzigen Maschine kommt – aber Adam ist auch noch laut, wenn es darum geht, sein Missfallen mitzuteilen. Einmal hatte er sogar versucht, die Starbucks-Drinks, die er sich dann wohl oder übel holen musste, über seine Fahrtkostenabrechnung bezahlen zu lassen. Wäre die nicht zuerst auf Leos Schreibtisch gelandet, hätte er es vermutlich tatsächlich durchgezogen. Glücklicherweise konnte Leo ihn gerade noch rechtzeitig fragen, ob er eigentlich noch ganz dicht ist, und die Abrechnung so anpassen, dass Adam für seine Dreistigkeit nicht direkt rausgeschmissen werden würde.
Ob es am Ende der Kaffee ist, der Adam überzeugt, oder ebenfalls die gute Laune, die Pia an den Tag legt, kann Leo nicht sagen. Aber er kann genau sehen, wann sie den Kampf gewonnen hat. Adam legt noch einmal die Stirn in Falten, als würde er darüber nachdenken, nur um dann alle Gesichtszüge fallen zu lassen. Schließlich seufzt er ebenfalls. „Wann is’n das Turnier überhaupt?“
Pias Grinsen wird breiter.
–
Zwei Wochen. Zwei Wochen haben sie Zeit, um sich auf das Turnier vorzubereiten. Und das bedeutet nicht nur das Spiel gegen das LKA 3, das wirklich Leos einziger Beweggrund dafür ist, wieso er Stunden nach Dienstende auf einem heruntergekommenen Bolzplatz in Pias Siedlung verbringt, sondern – sofern sie gewinnen – weitere Spiele gegen andere Abteilungen der Polizei. Leo kann nur hoffen, dass sie nicht auf die Steuerfahndung treffen – als er Rainer von ihrer Teilnahme erzählt hat, hat der viel zu laut gelacht und gemeint, dass sie sich die Kaffeemaschine abschminken können. Sein Team würde schon seit drei Monaten täglich trainieren.
Und dann ist da natürlich auch noch die Tatsache, dass sie eben auch arbeiten. Als zu Beginn der zweiten Woche plötzlich ein Fall auf dem Tisch liegt, ist es Esther, die sie darauf hinweist, dass sie ihre Privatleben dieses Mal bitte schön von der Arbeit fernhalten, damit der Mord vielleicht auch mal früher aufgeklärt werden kann. Nur so könnten sie ihren rigiden Trainingsplan einhalten. Während Adam sie daraufhin Heuchlerin nennt, muss Leo sich auf die Zunge beißen, um nicht anzumerken, dass allein die Tatsache, dass sie auf diese Siebträgermaschine peilen, ja schon irgendwie Teil des Privatlebens ist. Pia hingegen ist guten Mutes – immerhin haben sie schon schwierigere Morde innerhalb von Tagen aufgeklärt. (Wobei sie Recht behalten sollte. Der Mord hat sich am Ende als Beziehungstat herausgestellt, das einzig verwirrende an dem Fall war, welcher der zwei Partner denn jetzt zugestochen hatte. Augenscheinlich hatte das Polykül den Schritt mit dem Kommunizieren beim Start in ihre Dreierbeziehung überschritten.)
Jedenfalls können sie sich schnell wieder aufs Training konzentrieren. Natürlich verläuft das alles andere als geschmiert, nachdem Pia Esther zum Coach ernannt hat – Adam hat einfach viel zu oft etwas daran auszusetzen, was Esther plant oder was sie meint, woran er noch arbeiten muss, als dass alles glatt laufen könnte. Gerade zu Beginn bringen auch Pias Motivationsreden nicht viel, damit sie sich zusammenraufen.
Doch irgendwann ist es auf einmal, als hätte es Klick gemacht. Plötzlich funktionieren Esthers Pläne, auch wenn Adam immer noch über sie mault, Leo hält mehr als nur einen Ball, wenn sie alle nacheinander und immer wieder aufs Tor schießen, und gleichzeitig sehen aber auch die Treffer der anderen mehr wie gewollt als wie Zufall aus.
Am Abend vor dem Start des Turniers haben sie sogar gute Laune. Adam macht quasi eine Show daraus, mit Pia diverse Kaffeespezialitäten zu ergooglen, die sie ja dann im Büro ausprobieren könnten, und auch Leo muss zugeben, dass er zu einem Macchiato nicht Nein sagen würde. Selbst Esther, die allen in allem trotzdem noch recht angespannt wirkt, kann sich ein Lächeln bei den Hirngespinsten nicht verkneifen.
Vielleicht kriegen sie das ja doch hin, denkt Leo sich.
–
Am Ende verlieren sie. Natürlich.
Es ist einzig Adam zu verdanken, dass sie nicht komplett ohne Tore aus der Partie gehen. Irgendwann hat der nämlich nicht mehr darauf geachtet, was Esther ihm während ihres Trainings immer und immer wieder eingebläut – und jetzt auch auf dem Feld zugebrüllt – hat, sondern war einfach vorgeprescht und hat die Gegner ausgedribbelt, so gut er nur konnte. Das hat ihnen immerhin zwei Tore eingebracht.
Gegenüber fünf Gegentoren.
Die meiste Schuld daran hat Leo. Zwar hatte er während des Trainings immer mehr Bälle halten können, aber scheinbar war das kein Zeichen dafür, dass er besser geworden ist, sondern nur, dass er sein Gegenüber besser abschätzen konnte. Allerdings ist das, so scheint es, kein allgemeingültiger Skill, sondern eben nur bezogen auf Esther, Adam und Pia. Als die Jungs vom LKA 3 ihm gegenüber standen, hatte er gar nicht abschätzen können, wo die jeweils hinzielen. Seine Paraden waren vermutlich nicht schlecht – aber gingen meistens eben in die falsche Richtung.
Da hat es als Ausgleich auch nicht geholfen, dass Pia zwar schnell gewesen ist, aber bei fast jedem Tackle des gegnerischen Teams niederging. Selbst, wenn diese nicht mal sonderlich aggressiv waren. Auf Freistöße hatten sie also nicht bauen können.
Genau so wie auf Esther. Pia mag zwar recht damit gehabt haben, dass sie die Planung der Taktik übernehmen konnte, aber viel mehr war da auch nicht. Es sah fast schon ziellos aus, wie Esther von einem Ende des Feldes zum anderen gelaufen ist, in der Hoffnung, den Ball doch irgendwie zu erhaschen.
Vielleicht haben sie das Feixen des LKA 3 verdient.
Wenn die doch wenigstens damit warten könnten, bis Adam und Esther wieder genug Luft kriegen, um zurückmaulen zu können. Adam scheint sich fast zu überschlagen, als er irgendwas zurückgeben will, nur um dann das Gesicht zu verziehen, während er nach Luft schnappt. Esther versucht es erst gar nicht, genauso wie Pia.
Leo ist noch zu weit entfernt dafür. Er fühlt sich fast schlecht, als er locker zur Mitte des Feldes joggt, wo die anderen stehen. Er stand zwar auch ordentlich unter Beschuss, aber immerhin musste er sich nur von einer Ecke in die andere werfen, während die anderen um ihr Leben gerannt sind.
Als er zu ihnen aufschließt, reißt Adam ihm fast den Arm aus, so fahrig, wie er nach seiner Wasserflasche greift.
Während die die Runde durch ihr Team dreht, kommt Daimler noch einmal auf sie zu. „Mensch, Hölzer, ich dachte immer, die Comedy-Shows finden in der Congresshalle statt“, meint er, während seine Teamkameraden hinter ihm bereits grölen.
Seinen bitteren Gesichtsausdruck kann Leo nicht verbergen. „Haha“, macht er trocken. „Im Gegensatz zu euch mussten wir in letzter Zeit aber auch noch arbeiten.“
Sein Seitenhieb findet leider kein Gehör – während das LKA 3 normalerweise ständig rummotzt, weil sie nur mit langweiligen Fällen betreut werden, könnte es ihnen heute kaum egaler sein. Sie kontern einfach mit weiteren Lachern.
„Lass gut sein, Leo“, sagt jetzt auch Pia. Sie klingt immer noch außer Atem – und als Leo sich zu ihr umdreht, kann er sehen, wie rot ihr gesamtes Gesicht ist –, was die anderen Ermittler noch einmal zum Lachen bringt.
Kurz darauf verziehen sie sich zum Glück aber endlich.
„War ‘ne scheiß Idee, Heinrich“, sagt Adam dann auch endlich. Er ist immer noch nach vorne gebeugt – statt nach Luft zu ringen, massiert er jetzt aber nur seine Waden. „War doch klar, dass das in die Hose geht.“
Pia verdreht die Augen. „Ja, ja“, macht sie, bevor sie die Flasche annimmt, die Esther ihr noch einmal reicht.
„Ich stimm’ Adam ungern zu–“, fängt jetzt auch Esther an, was für Leo das endgültige Zeichen ist, um einzugreifen. Wenn die beiden einer Meinung sind, dann steht die Hölle wirklich kurz vorm Einfrieren. Das würde er ungern miterleben.
Also klatscht er einmal in die Hände und meint: „Naja, aber immerhin können wir wieder Pizza essen.“ Das hatte nämlich – zum Leidwesen von Pia und Adam – zu Esthers striktem Plan gehört. Bei seinen Worten verlässt jede Trauer Pias Gesicht, während ihr Kopf zu ihm herumschnellt. Und dann wird es noch breiter, als er meint: „Na kommt, ich zahl’ auch.“
Das lässt auch Adam seine schlechte Laune vergessen. „Leo Hölzer, du bist ein Engel.“
„Mach’ ihm doch gleich ‘nen Antrag“, schnaubt Esther. Das kleine Lächeln auf ihrem Gesicht kann sie aber nicht verstecken. Dann, an Leo gewandt, fügt sie hinzu: „Der gute Italiener in Dudweiler?“
Als hätte er das nicht sowieso geplant.
