Chapter Text
„Ich bin so verdammt nervös.“, sagte ich zu mir selbst.
In ein paar Stunden würde ich nach einem alten Erdenritual meinen Geliebten heiraten, wenn nicht noch etwas passieren würde. Zwar waren wir nach dem gallifreyanischen Ritual schon gebunden, aber unsere Freunde wollten auch noch mit uns feiern und so kamen wir auf die Idee noch einmal irdisch zu heiraten. Alle aus dem kleinen Torchwood Team würden kommen.
Bis auf die, die wir verloren hatten. Meine Mutter, Rose und auch Lilian. Eine Träne floss mein Gesicht hinab, der Gedanke machte mich wieder traurig.
Hatte ich wirklich das Recht glücklich zu werden? Ich war doch Schuld an all dem was passiert war. In meiner Wut hatte ich auch noch aus Rache ein Menschenleben genommen und niemand meiner Freunde konnte mich davon abhalten.
Ich habe gegen meinen selbst auferlegten Eid verstoßen.
Die Tränen rollten mir übers Gesicht und ich ging ins Badezimmer. Er würde sich wieder aufregen, wenn er sähe, dass ich geweint hatte. Koschei war sehr deutlich mit seinen Worten gewesen. Er wollte keine heulende Braut.
Mein ‚Bräutigam‘ hatte beschlossen, dass ich die Braut bin. Die Begründung war sehr interessant. Weiß würde ihm nicht stehen hatte er gesagt. Es war wohl mehr, dass er der Mann in unserer Beziehung sein wollte.
Ich habe nachgegeben, da weiß mir steht und ich eh immer unten liegen würde.
Naja, es gefiel mir ja auch.
Es war an der Zeit sich anzuziehen so ging ich kurz unter die Dusche und zog dann den weißen Anzug an, der ein Ebenbild meines engsten braunen war, nahm eine rote Krawatte und band sie mir um. Danach widmete ich mich fast eine Stunde meinen Haaren.
Ianto würde nun bald kommen. Man hatte ihn als Brautführer ernannt. Jack wollte lieber den Master begleiten. Die beiden hingen seit dem Koschei Ianto gerettet hatte sehr an einander.
‚Wenn ich an die Geschichte denke…oh verdammt ich heule ja schon wieder‘
Ich ging wieder ins Bad und wusch mir durchs Gesicht. Mir wurde klar, dass ich im Laufe des Tages wahrscheinlich mindestens noch einmal furchtbar zu weinen anfangen würde. Ich hoffte Koschei würde darüber hinweg sehen.
„Na super.“, sagte ich zu meinem Spiegelbild, denn meine Augen waren rot und nur ein Blinder würde nicht erkennen, das ich geflennt hatte. Eine Erkältung konnte ich ja nicht vorschieben. Leise fluchend kühlte ich meine Augen so gut es ging.
Es klopfte an der Tür.
Ianto stand mit einem breiten Grinsen vor mir und hielt mir einen Brautstrauß entgegen.
„Das ist auch so eine alte Erdentradition. Mir wäre es sehr recht wenn du ihn mir nachher zuwerfen könntest. Dann kann ich ihn vielleicht endlich festnageln.“, sagte er hoffnungsvoll.
„Ja klar.“, antworte ich fröhlich lächelnd. Ich hoffte, dass er es nicht sehen würde.
„Hast du wieder geweint?“, fragte Ianto besorgt und zerschlug meine Hoffnung.
„Sieht man es so gut? Er wird mir eine Szene und diesen Tag zum Alptraum machen.“, sagte ich zerknirscht.
„Ach was. Komm jetzt, Jack und Harry sind schon am Strand und warten.“, sagte er und tätschelte mir die Schulter.
Ich begann Schweißperlen auf meiner Stirn zu fühlen.
Es wurde ernst.
Eigentlich lächerlich. Ich war schließlich ein Timelord und kein Mensch.
‚Nimm dich zusammen‘, dachte ich bei mir.
Leichter gesagt als getan. Ich gehörte doch schon seit unserer Verschmelzung in der Tardis zu ihm und das war nur das offizielle Bekenntnis für unsere Freunde.
‚Deswegen bist du so nervös, nach dem Tag kannst vor deinen Freunden nicht mehr behaupten, dass ihr nicht zusammen gehört‘, dachte ich und schluckte.
Der Strand war in Sichtweite und irgendjemand hatte einen CD Spieler angestellt und es ertönte der Hochzeitsmarsch. Ich wollte nur noch weglaufen. Aber Ianto hakte sich nun bei mir unter und fragte mich amüsiert:
„Du denkst doch nicht daran abzuhauen?“
„Ich? Nein, natürlich nicht.“, sagte ich wenig überzeugend. Ianto zog mich Richtung Altar. Naja, eher ein Campingtisch und dahinter ein Kapitän zur See. Vor dem Campingtisch stand ein lachender Jack und neben ihm ein etwas finster dreinblickender Koschei. Nicht dass er nicht die Hälfte des Tages so schaute, aber er dürfte gesehen haben das Ianto mich hierher ziehen musste und das konnte ihm nicht gefallen. Was würde er erst sagen, wenn er mich ansah. Ich schluckte erneut.
Der Tuxedo den er trug ließ ihn atemberaubend aussehen. Und dieser Dreitagebart.
‚Hoffentlich wird das kein Vollbart. Sieht irgendwie heiß aus‘ dachte ich. Ianto zog mich ohne Gnade weiter.
‚Oh verdammt, nicht auch noch das‘. Ich merkte wie sich mein kleiner Freund in der Hose zu regen begann. Die Beule würde man deutlich sehen, da die Hose verdammt eng war. Ich wurde rot bis in die Haarspitzen. Und das in einem weißen Anzug.
Ianto flüsterte mir zu: „Halt den Brautstrauß davor, dann sieht es keiner.“
Ich tat es noch bevor wir den Gang durch die Reihen unserer Freunde antraten. Zu meiner Überraschung waren es außer des Torchwood Teams noch ein paar Freunde und Bekannte aus Cardiff denen wir mal geholfen hatten.
Am Campingtisch angekommen schob mich Ianto zu Koschei, der mich durchdringend musterte.
‚Du hast wieder geflennt und bist hochrot im Gesicht was nur heißen kann, das ich dich nachher schnell ins Bett bringen muss, bevor du deine Hose ruinierst. Aber mal ehrlich heißes Outfit. Ich hab eine nicht so enge Hose gewählt, weil mir sowas schon gedacht habe‘ hörte ich seine Stimme in meinem Kopf.
Ich erwiderte nichts und sah zu dem alten Kapitän, der uns freudig anlächelte. Als Koschei sich auch dorthin umdrehte konnte ich sehen, wie auch er grinste.
Die Zeremonie an sich war nichts Besonderes und doch wunderschön. Als wir uns das Ja-Wort gaben begannen ein paar Frauen im Hintergrund zu schluchzen. Ich fragte mich was die so traurig daran fanden, das ich ‚Ja‘ zu meinem Geliebten sagte.
‚Das musst du Heulsuse dich mal selber fragen‘, dachte ich.
Wir wechselten die Ringe. Jack hatte und schlichte weißgoldene besorgt, die wir beiden schön fanden. Ich schluckte als ich ihn auf seinen Finger schob. Ich fühlte seine Emotionen. Mir wurde fast schwindlig.
Als der Satz fiel ‚Sie dürfen die Braut nun küssen‘ brach mir wieder der Angstschweiß aus. Ich war schon so geil, wenn ich nun noch seine Lippen auf den meinen spüren würde?
Was soll ich sagen…
Koschei küsste mich so intensiv und fordernd, das ich vollends die Kontrolle verlor. Ich spürte wie meine Hose feucht wurde. Mit hochrotem Kopf rannte ich zum Meer, nachdem ich Ianto den Brautstrauß in die Hand gedrückt hatte.
Das kalte Wasser tat sein Übriges, um mich zu beruhigen, aber der Fleck in der Hose war kaum rauszukommen.
Ich hatte meine eigene Hochzeit ruiniert und mich völlig blamiert. Koschei würde mich bestimmt auf ewig dafür hassen.
Zu meiner Verwunderung stand er einige Meter weit weg am Strand und lächelte mich an.
„Ein Kuss und du gehst so ab? Was passiert denn dann wenn ich dich nachher flachlege, holde Braut?“, fragte er unschuldig.
„Es tut mir leid. Es tut mir so leid.“, stammelte ich und wie ich erwartet hatte konnte ich die Tränen nicht zurückhalten.
„Tränen auch noch? Nun komm schon aus dem Wasser raus, unsere Freund wollen feiern gehen und ich geh nicht ohne meine Braut.“, sagte er und streckte mir die Hand entgegen.
Ich ergriff seine Hand und er zog mich in eine Umarmung
„Ich liebe dich du Volltrottel.“, sagte er. „Ich brauche keine perfekte Hochzeit und Party, aber ich habe Hunger.“
„Meine Hose ist nass und mir ist kalt.“, sagte ich sehr schwach.
„Du kannst dich ja nicht erkälten, Liebling.“, sagte er und zog mich mit sich zurück zu unseren Freunden.
Ianto hatte eine Decke geholt und gab sie mir. Ich wickelte mich ein. Koschei legte mir seinen Arm um die Schulter.
„Und nun gibt es Essen.“, sagte er. Ich verkniff mir die Bemerkung, dass man sehen konnte dass ihm das irdische Essen schmeckte. Er war ein klein wenig fülliger geworden in der Bauchgegend.
Wir gingen das Stück zu Fuß zurück zur Bar. Ich beobachte aus den Augenwinkeln wie Ianto und Jack diskutierten. Ianto sah nicht glücklich aus. Wie ich befürchtet hatte, wollte Jack sich nicht binden. Ich seufzte.
„Was ist los Mister Yana? Hoffnungslos romantisch?“, fragte Koschei.
„Das ist also immer noch dein Ernst mit den Namen?“, fragte ich zurück.
„Ja, sehr ernst sogar.“, sagte er lächelnd.
„Naja schon gut. Ist ja nur auf der Erde. Ich mag meinen Namen.“, sagte ich.
„Welchen? Dabei fällt mir ein das du mir deinen geheimen Namen noch nicht gesagt hast.“, sagte er. „Das war ein Lüge beim letzten Mal.“
„Heute Abend im Bett, dann will ich auch dein letztes Geheimnis wissen.“, antworte ich und zog die Decke enger um mich.
„Du bist wirklich sentimental. Aber ich hab auch noch ein schönes Geschenk für dich vor unserer Hochzeitsnacht.“ Er grinste wissend.
Ich sah ihn mit großen Augen an. Was das wieder war? Das letzte Geschenk war ein Halsband und ich dachte mir, dass es wohl auch diesmal so etwas sein würde. Mein Blick verfehlte seine Wirkung auf ihn nicht. Er strich mir sanft über die Wange und küsste mich.
Es ging wieder los und ich löste mich schnell aus seinem Kuss und dachte Daleks und andere Dinge, die mich völlig von meiner wiederaufkeimenden Lust los rissen.
Wir kamen bei Eddies Bar an und wurden vom Besitzer überschwänglich begrüßt. Es gab ‚Fisch and Chips‘ und eine extra große Hochzeitstorte. Ich mochte die Torte und ich glaube ich habe fünf Stücke gegessen. Dazu gab es Wein und Bier. Ich hielt mich da etwas zurück und trank Wasser.
Die Stimmung war fröhlich und ausgelassen. Und ich war glücklich wie lange nicht mehr. Keiner unserer Freunde schien es zu stören, das der Braut ein Malheur passt war.
Nachdem wir alle nichts mehr essen konnten kamen unsere Freunde mit den Geschenken oder besser mit dem Geschenk. Sie hatten alle zusammengelegt und uns eine Reise in ein Luxusferienressort geschenkt für volle drei Wochen. Wir konnten den Ort wählen Südsee oder Karibik. Koschei war sehr erfreut, endlich Urlaub ohne Schnee. Das konnte ich auf seinem Gesicht lesen.
Jack grinste als er noch ein Paket vor uns auf den Tisch stellte.
„Ein kleines Extra von Ianto und mir für unsere Nachbarn.“, sagte er.
Koschei öffnete das Paket und zog ein Türschild aus Metall aus der Verpackung darauf die Namen ‚Professor Harry & Doctor John Yana‘. Ich sah, dass mein Freund feuchte Augen bekam. Jack hatte wohl gemerkt wie viel ihm dies bedeutete. Voller Übermut umarmte er unseren Freund und die beiden leerten so einige Biere zusammen. Ich betrachte das Schild als Ianto zu mir trat. Er sah ein bisschen traurig aus.
„Ich wünschte wir hätten auch ein Türschild mit einem Namen.“, sagte er und nahm einen Schluck Sekt.
„Er hat ‚nein‘ gesagt, nicht wahr?“, fragte ich vorsichtig.
„Er will sich nicht binden. Aber er hat mir versichert, dass er mich liebt.“, sagte er.
„Immerhin liebt er dich, das ist doch das Wichtigste überhaupt.“, antworte ich ihm und umarmte ihn.
Er blieb bei mir und er überredete mich Sekt zu trinken. Ich genoss die Wärme des Alkohols in meinen Adern. Nach einer Weile begann ich sehr albern zu werden. Ianto und ich lachten uns über Jack und Koschei schlapp bis die beiden, mit vorwurfsvollem Blick vor uns standen.
„Zeit für die Hochzeitsnacht, Mister Yana. Und zwar nachdem du einen Kaffee getrunken hast.“, sagte Koschei mit einer Stimme die keinen Wiederspruch ohne Streit duldete.
„Ich hoffe ich kann noch.“, sagte ich und lachte albern. Es war in seinen Augen. Er war nicht glücklich, beherrschte seinen Zorn aber meisterlich.
Jack und Ianto lieferten sich hinter uns ein Wortgefecht. Ich ging freiwillig zur Bar und trank einen Kaffee, während Koschei mich beobachtete. Ich fragte mich was er tun würde in unserer Hochzeitsnacht. Sein Blick bohrte sich förmlich in meinen Rücken.
